Nur einen Tag, nachdem chinesische und US-Regierungsvertreter eine Übereinkunft im Handelsstreit mit China verkündet hatten, schürt US-Präsident Donald Trump Zweifel an einer baldigen Einigung. So sei es falsch, dass bereits verhängte Zölle nun schrittweise zurückgenommen werden. China wolle eine solche Rücknahme, sagte Trump vor Journalisten in Washington. Er habe jedoch "nichts zugestimmt", betonte der US-Präsident.

Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt befinden sich seit mehr als einem Jahr in einem erbitterten Handelsstreit, in dem sie sich gegenseitig mit Strafzöllen in Milliardenhöhe überzogen haben. Trump wirft China unfaire Handelspraktiken zulasten von US-Unternehmen und den Diebstahl geistigen Eigentums vor. Die US-Zölle betreffen inzwischen einen großen Teil aller Importe aus China in die USA.

"Ich bin gerade sehr glücklich"

Zuletzt gab es jedoch vermehrt Anzeichen einer Annäherung. So hatte das chinesische Handelsministerium am vergangenen Donnerstag erklärt, die Unterhändler beider Länder hätten sich auf eine "schrittweise" Rücknahme der zusätzlichen Zölle geeinigt.

Trump sagte nun: "China hätte gern eine gewisse Rücknahme – nicht eine komplette Rücknahme, weil sie wissen, dass ich es nicht tun werde." China wolle eine "Vereinbarung dringlicher als ich", fügte er hinzu. Schließlich würden durch die Zölle gerade Milliardensummen in die Kassen der USA fließen. "Ich bin gerade sehr glücklich", so Trump.

Wenige Stunden später sagte allerdings der Stabschef von Vizepräsident Mike Pence, Marc Short, dem Sender CNBC, im Weißen Haus sei man "sehr optimistisch", dass eine erste Handelsvereinbarung "hoffentlich noch vor Ende dieses Jahres" unterzeichnet werde. Damit wiederholte er Äußerungen eines US-Regierungsvertreters, der die Angaben aus China über eine Einigung bestätigt hatte. Allerdings will die Nachrichtenagentur Reuters erfahren haben, dass die mutmaßliche Übereinkunft im Weißen Haus und bei externen Beratern auf teils heftigen internen Widerstand gestoßen sein soll.

Handelsabkommen soll in Iowa unterzeichnet werden

Trumps Handelsberater Peter Navarro, der zu den schärfsten Chinakritikern in der Regierung zählt, machte dabei vor allem den Medien schwere Vorwürfe. Die Journalisten hätten sich von chinesischen Propagandisten an der Nase herumführen lassen. Zu viele Berichte fußten auf anonymen Quellen. Nur Trump und der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer sollten zitiert werden, wenn es um die Verhandlungen mit China ginge, sagte Navarro.

Mitte Oktober war es Trump, der eine "sehr substanzielle" Teileinigung verkündet hatte – eine Teileinigung, die er als "Phase Eins" eines umfassenden Abkommens bezeichnete. Ihm zufolge soll dieses Abkommen dann in den USA unterzeichnet werden, wie er nun auch vor den Journalisten wiederholte. "Es wird in unserem Land sein", sagte der Präsident und nannte als Beispiel eine Zeremonie im US-Bundesstaat Iowa oder einem anderen landwirtschaftlich geprägten Teil der USA. Dabei ist es vor allem die Agrarindustrie, die unter dem Zollstreit besonders leidet.