Der spektakuläre Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden, bei dem einige wertvolle historische Schmuckstücke gestohlen wurden, empört. Aber er fasziniert auch. Ob seiner Tücke und ob des unverschämten Glücks der Diebe. Und wie so oft, wenn etwas entwendet wird, das keinen Einzelnen in den Ruin stürzt, etwa weil der Bestohlene sehr reich ist oder das Diebesgut irgendwie der Allgemeinheit gehört, obsiegt bei vielen die Faszination über das Entsetzen. Zumal bislang kein Mensch zu Schaden kam.

Zu Schaden kamen allerdings das Museum und die Stadt Dresden sowie das Land Sachsen. Es ist also keine Kleinigkeit. Doch ein Blick auf erfolgreiche Film- und Fernsehproduktionen zeigt, dass es sich hier um ein Urfaszinosum der Menschheit zu handeln scheint: der komplizierte, geschickte und mühsam geplante Raub bestens gesicherter Wertgegenstände. Er findet sich nicht nur im oft zitierten Hollywoodfilm Ocean's Eleven, in dem eine Bande Spezialisten den Inhalt eines Kasinotresors entwendet. Sondern auch in einer der erfolgreichsten Netflix-Serien der Gegenwart: Haus des Geldes. Dort bricht eine Gruppe Krimineller in die nationale Notenbankdruckerei ein, um das perfekte Verbrechen zu begehen: Sie druckt sich tagelang Geld.

Was die Serie mit dem echten Einbruch gemein hat, ist, dass dort innerhalb eines präzisen Plans Fehler passieren, die die Täter menschlich machen. In Dresden war das größte Hindernis für die Diebe ausgerechnet eine Art Angelschnur, die laut Berichten um die Schmuckstücke gewickelt war und dafür sorgte, dass weniger gestohlen werden konnte als wohl geplant.

Die Beute wurde immer geringer

Trotz seiner Einmaligkeit fügt sich der Raub in Dresden in einen doppelten Trend. Kunstdiebstähle nehmen weltweit zu, übrigens auch unter Anwendung von Waffengewalt. Der Handel mit gestohlener Kunst ist laut Einschätzung von Experten derzeit das weltweit drittprofitabelste Geschäft für Kriminelle, gleich nach Drogen und Waffenschmuggel. 4,5 bis 6 Milliarden Dollar setzen Banden nach Schätzungen des FBI jährlich damit um. Und Juwelendiebstähle waren zuletzt leicht rückläufig, das aber nach Jahren des boomenden Geschäfts. Zu einiger Berühmtheit brachte es die sogenannte Pink-Panther-Bande aus dem ehemaligen Jugoslawien, die über Jahre besonders skrupellos, aber auch besonders planvoll und häufig Juweliere überfiel.

Wer diesem doppelten kriminellen Trend beikommen will, für den lohnt ein Blick auf den Bankraub. Noch in den Neunzigerjahren war er in Deutschland weit verbreitet. Nicht zuletzt das Gladbecker Geiseldrama von 1988, bei dem drei Menschen ums Leben kamen, sorgte für mediale Aufmerksamkeit. Mittlerweile ist die Zahl der Fälle allerdings stark zurückgegangen.

Woran liegt es? Die Antwort haben Wirtschaftsfachleute schon vor einigen Jahren gesucht. Für eine interessante Untersuchung durften sie auf bis dahin geheime britische Bankendaten zurückgreifen. Das Ergebnis: Der Rückgang der Bankraube ist schlicht und einfach Ökonomie. Die Sache lohnt sich finanziell nicht mehr.

Zwar hat auch beispielsweise die deutsche Polizei sich angestrengt und zeitweise ihre Aufklärungsquote in Sachen Bankraub deutlich erhöht. Doch wirklich geholfen hat eines: Die durchschnittlich zu erwartende Beute wurde immer geringer. In den USA liegt sie sogar nur noch bei unter 5.000 Dollar, im Vereinigten Königreich zwar deutlich höher bei rund 20.000 Pfund, allerdings noch nicht geteilt durch die Anzahl der beteiligten Bankräuber und auch ohne deren Kosten abzuziehen.

Die Autoren der Studie tun dies und kommen zu dem Schluss: "Statistisch gesehen ist Bankraub Unsinn. Es ist nicht unvorstellbarer Reichtum. Es ist eine sehr bescheidene Summe von 12.706 Pfund pro Person pro Raub." Ein einzelner Bankraub, sogar ein erfolgreicher, sorgt nach Ansicht der Autoren deshalb nicht dafür, dass der Räuber ein Luxusleben führen könnte. Vielmehr müsste er zweimal im Jahr einen Bankraub begehen, um auf ein Einkommen zu kommen, das immer noch unter dem Durchschnitt der arbeitenden Bevölkerung liegen würde.

Der wichtigste Grund dafür ist, dass es heute deutlich weniger zu holen gibt als einst. Zum einen lagern Bankfilialen weniger Bargeld als früher. Zum anderen werden große Mengen häufig nur noch mit automatischer zeitlicher Verzögerung ausgegeben. Dazu kommt: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bankraub ganz ohne Beute ausgeht, ist in Großbritannien deutlich gestiegen. Ein Grund war die Einführung von Metallwänden, die zwischen Kunden und Filialmitarbeiterinnen und -mitarbeitern innerhalb von Sekunden hochschießen können. Sie senkten laut der Studie die Wahrscheinlichkeit, dass der Bankraub erfolgreich war, um ein Drittel.