Die sogenannten Wirtschaftsweisen blicken etwas skeptischer auf die Konjunktur im kommenden Jahr als die Bundesregierung. Das berichten Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung und Frankfurter Allgemeine Zeitung, die sich auf das Jahresgutachten des Sachverständigenrates berufen. Für 2020 erwartet dieser demnach einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 0,9 Prozent. Die Bundesregierung rechnet für 2020 mit einem Wachstum von 1,0 Prozent. Für kommendes Jahr prognostizieren die Regierung wie auch die Wirtschaftsweisen ein Plus von 0,5 Prozent. Auch andere Institute warnten zuletzt vor einem Abschwung.

Die Sachverständigen um den Essener Forscher Christoph Schmidt sehen die deutsche Volkswirtschaft derzeit nur in einem vorübergehenden Abschwung, berichtet die FAZ. Es sei nicht "von einer breiten und tiefergehenden Rezession auszugehen", heißt es demnach in dem neuen Gutachten mit dem Titel "Den Strukturwandel meistern". Die fünf Sachverständigen übergeben das Gutachten am Mittwoch an die Bundesregierung.

Für Diskussionsstoff dürfte laut der Zeitung sorgen, dass die Wirtschaftsweisen das Festhalten an einem ausgeglichenem Haushalt infrage stellen, den CDU/CSU, aber auch Finanzminister Olaf Scholz (SPD) bisher stets verteidigt haben. Auch die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten sich jüngst gegen ein Festhalten an der sogenannten schwarzen Null ausgesprochen und davor gewarnt, dem Abschwung "hinterher"-zusparen.

Ein Konjunkturprogramm lehnen die Wirtschaftsweisen laut Handelsblatt ab. Dies sei derzeit nicht angezeigt, auch weil der Wachstumsrückgang moderat einzuschätzen sei. Auch die Schuldenbremse müsse nicht, wie zuletzt von anderen Ökonomen gefordert, reformiert werden. Es sei "keine Änderung und somit keine Erhöhung der strukturellen Verschuldungsmöglichkeiten des Staates nötig".

Die Wirtschaftsweisen kritisieren laut Handelsblatt die jüngsten Entscheidungen der Europäischen Zentralbank. "Es wäre besser gewesen, zumindest auf neue Staatsanleihekäufe zu verzichten, da diese Politik erhebliche Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen kann", heißt es demnach in dem Gutachten der Wirtschaftsweisen.