Im Cum-Ex-Skandal um Steuerbetrug in Milliardenhöhe hat es laut Medienberichten die erste Festnahmen in Deutschland gegeben. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt habe einen Haftbefehl gegen den Steuerchef der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer erlassen, berichten der WDR und die Süddeutsche Zeitung. Beamte des Bundeskriminalamts hätten Ulf J. festgenommen und einer Haftrichterin vorgeführt, die Untersuchungshaft angeordnet habe.

Laut dem Bericht bestätigt der Strafverteidiger des früheren Freshfields-Partners die Festnahme. "Die Inhaftierung ist völlig unbegründet. Wir werden sie selbstverständlich anfechten", wird Werner Leitner zitiert. "Zur Sache werden wir uns weiterhin nicht öffentlich äußern." J. habe im in mehreren Vernehmungen stets bestritten, illegal agiert zu haben, heißt es weiter im Bericht. Er habe nicht gewusst, dass seine Mandanten sich anders verhalten hätten, als von ihm begutachtet.

Im Bonner Landgericht läuft momentan der erste Prozess gegen zwei ehemalige Aktienhändler. Ihnen wird besonders schwere Steuerhinterziehung in 33 Fällen vorgeworfen. Damit sollen allein sie laut Staatsanwaltschaft dem Fiskus im Zeitraum von 2006 bis 2011 einen Schaden von mehr als 440 Millionen Euro zugefügt haben.

Bei Cum-Ex wurden Steuern auf Aktiendividenden mehrfach erstattet, zahlreiche Banken und andere Finanzakteure haben jahrelang bei solchen Geschäften mitgemacht. Insgesamt soll der deutsche Staat dadurch einen zweistelligen Milliardenbetrag verloren haben.