Ermittler haben im Cum-Ex-Skandal in zwölf Wohnungen und Büros in Hessen und Bayern nach Beweisen für Steuerhinterziehung gesucht. Die Ermittlungen richten sich gegen sechs Beschuldigte im Alter zwischen 50 und 57 Jahren, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Sie sollen einen Steuerschaden von zusammen 53,3 Millionen Euro verursacht haben. Auch eine Wohnung in den Niederlanden sei durchsucht worden, weil einer der Beschuldigten auch dort einen Wohnsitz hat. An der Razzia waren mehr als 100 Ermittler beteiligt.

Die Cum-Ex-Geschäfte gelten als größter Steuerskandal in der Geschichte der Bundesrepublik. Bei den Geschäften lassen sich Anleger die einmal gezahlte Kapitalertragssteuer auf Aktiendividenden mithilfe von Banken mehrfach zurückerstatten. Dadurch sind dem Staat laut Bundesfinanzministerium mehr als fünf Milliarden Euro entgangen. Andere Schätzungen gehen von einem weit höheren Steuerschaden aus.

Die sechs Beschuldigten sollen in den Jahren 2008 und 2009 als Mittäter Aktiengeschäfte um den Dividendenstichtag mit einem Investitionsvolumen im dreistelligen Millionenbereich getätigt haben. Sie ließen sich dann Steuern erstatten, die tatsächlich nie gezahlt wurden. Zwei der Beschuldigten in dem neuen Verfahrenskomplex waren zum Zeitpunkt der Cum-Ex-Geschäfte Mitarbeiter einer kleineren Frankfurter Investmentbank. Bei den anderen vier Beschuldigten handelt es sich um Geschäftsführer kleinerer Firmen. Die gut 53 Millionen Euro Steuerschaden haben die Finanzbehörden bereits zurückgefordert. Das Geld wurde den Angaben zufolge bereits an die Staatskasse zurückgezahlt.

Diverse Staatsanwaltschaften ermitteln seit Jahren wegen Cum-Ex-Geschäften. Insgesamt gehen Ermittler nach jüngsten Zahlen des Bundesfinanzministeriums inzwischen 499 Verdachtsfällen nach. Anfang September begann vor dem Bonner Landgericht der erste Strafprozess gegen zwei britische Wertpapierhändler. Bisher ist nicht höchstrichterlich geklärt, ob die Cum-Ex-Geschäfte nur moralisch fragwürdig oder auch illegal waren. Der Strafprozess in Bonn gilt in dieser Frage als wegweisend, er dauert mindestens noch bis Anfang 2020.