Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland ist weiter zurückgegangen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres stimmten die Behörden dem Neubau oder Umbau von 257.900 Wohnungen zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das waren 1,9 Prozent weniger als im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

In neuen Wohngebäuden wurden von Januar bis September rund 221.800 Wohnungen genehmigt. Dies waren 3,0 Prozent oder 6.900 weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Baugenehmigungen für Zweifamilienhäuser sank um 1,5 Prozent, die für Mehrfamilienhäuser um 3,4 Prozent. Einen leichten Zuwachs von 0,5 Prozent gab es bei Einfamilienhäusern.

Das Statistische Bundesamt wies zudem darauf hin, dass die Zahl neuer Genehmigungen seit geraumer Zeit höher sei als die Zahl der Baufertigstellungen. Der sogenannte Bauüberhang nehme seit einigen Jahren zu.

Im vergangenen Jahr wurde der Neubau von knapp 302.800 Wohnungen in reinen Wohngebäuden genehmigt. Inklusive Gebäuden, in denen kein Wohnraum vorgesehen ist, gab es im Jahr 2018 gut 347.000 Genehmigungen. Erschwert wird Neubau dadurch, dass Flächen in Ballungsräumen knapp, die Preise deutlich gestiegen und Handwerker oft ausgebucht sind.

Verband kritisiert "hochreguliertes Umfeld"

Die Zahl der Baugenehmigungen gilt als ein wichtiges Barometer, um die künftige Entwicklung des Wohnungsbaus einzuschätzen. Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschuss ZIA, kritisierte ein "hochreguliertes Umfeld". Zwar bewege sich die Zahl der genehmigten Wohnungen im längeren Zeitvergleich auf einem insgesamt hohen Niveau. Doch sei es zu wenig, um die Situation zu entlasten, sagt der Chef des Spitzenverbands der Immobilienwirtschaft. "Von einer Neubauoffensive sind wir nach wie vor weit entfernt, zumal die Politik am Regulierungsrad stetig weiterdreht." Baugenehmigungs- und Planungsprozesse dauerten zu lange und das Beschleunigungsgesetz im Baubereich lasse weiter auf sich warten.

Auch der Wohnungsmarktexperte Martin Müller von der staatlichen Förderbank KfW sprach von einem Abwärtstrend. Er verwies jedoch zugleich darauf, dass die Auftragsbestände im Wohnungsbau so hoch seien wie seit Mitte der Neunzigerjahre nicht mehr. "Die Bauwirtschaft kann somit trotz der Konjunkturflaute mit ihrer Geschäftslage immer noch sehr zufrieden zu sein", sagte er.