Die Risiken und Herausforderungen für die Finanzstabilität im Euroraum haben nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) auch wegen der Zinspolitik zugenommen. Zwar unterstützten die Niedrigzinsen die Wirtschaft, sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos bei der Vorlage des halbjährlichen Stabilitätsberichts. Ein daraus resultierender Anstieg der Risikobereitschaft könne aber mittelfristig Probleme für die Finanzstabilität schaffen. De Guindos forderte dazu auf, mit allen Mitteln gegen Schwachstellen vorzugehen.

Der Leitzins im Euroraum liegt seit März 2016 bei null Prozent. Vor allem Investmentfonds und Versicherer könnte das Umfeld nach Einschätzung der EZB-Experten dazu verleiten, übermäßige Risiken einzugehen. Auch in einzelnen Immobilienmärkten sei dies zu befürchten. Das könnte zum Problem werden, wenn sich das Preisumfeld wieder ändert.

Die EZB äußerte zudem Bedenken zu hohen Schuldenstände und Haushaltsdefiziten in manchen Euroländern. Sollte sich die Konjunktur erheblich abschwächen, könnten Staaten mit fragilen Finanzen am Markt wieder in den Fokus rücken, hieß es im Bericht. Zudem hätten sich die Ertragsperspektiven der Banken weiter verschlechtert.

Die seit 1. November amtierende EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte bereits vor ihrem Amtsantritt deutlich gemacht, dass sie eine sehr lockere Geldpolitik auf absehbare Zeit für nötig hält. Lagarde hatte aber auch gesagt: "Wir müssen die negativen Folgen und Nebeneffekte im Blick behalten."