Ab Januar wird die Bonpflicht für Händler eingeführt. Sie müssen dann bei jeder Transaktion in Geschäften oder Cafés einen Beleg ausgeben. Der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) fordert zwei Wochen vor der Einführung in einem Schreiben an Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), die Pflicht aus dem Gesetz zu streichen.

Bei jeder Transaktion einen Beleg auszugeben, werde "zu einem erheblichen Mehraufwand an Bürokratie führen". Zudem werde die Umwelt stark belastet, da die Bons meist auf besonders schädlichem Thermopapier gedruckt und zu Milliarden "direkt im Müll landen" würden. Das Schreiben des Ministers lag der Nachrichtenagentur dpa vor, zuvor hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet.

140.000 Kilometer zusätzlicher Kassenbons

Altmaier wies auf die Folgen der Regelung hin. Etwa darauf, dass die Handelskette Rewe mit 140.000 Kilometern zusätzlicher Kassenbons im Jahr rechne. Allerdings ist laut Gesetz auch eine digitale Bon-Übermittlung per App oder E-Mail möglich.

Der Gesetzentwurf von 2016 habe eine Belegpflicht auf Kundenwunsch vorgesehen. "Diese Regelung wurde im parlamentarischen Verfahren zu einer allgemeinen Belegausgabepflicht ausgeweitet." Er hoffe nun auf eine kurzfristige einvernehmliche Lösung im Sinne der Umwelt und der Unternehmen.

Die Bonpflicht soll Steuerbetrug eindämmen. Laut dem Kassengesetz sollen Kassen durch eine technische Sicherheitseinrichtung (TSE) fälschungssicher werden. Ursprünglich sollten diese bis zum Jahresbeginn 2020 die neuen Vorschriften erfüllen, das Finanzministerium räumte nun Zeit bis Ende September ein. Die Bonpflicht gilt trotzdem von Januar an.

Auch die Betriebe kostet die Bonpflicht

Vor allem Handelsverbände kritisieren die Bonpflicht und verweisen auf hohe Umrüstungskosten für Ladenkassen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) geht davon aus, dass Betriebe pro Kasse mit 300 bis 500 Euro rechnen müssen.

Unterstützung aus der Partei von Olaf Scholz: Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag Achim Post sagte, dass der Hauptleidtragende der Steuersünder sei, nicht etwa die Umwelt oder der Einzelhandel.

FDP und AfD hingegen stellten sich hinter Altmaier. Der Bundestagsabgeordnete der AfD Kay Gottschalk sagte, man sei "dagegen, jeden Einzelhändler zu verdächtigen, dass er oder sie Steuern hinterzieht". Der stellvertretende FDP-Bundestagsfraktionsvorsitzende Michael Theurer forderte, Mittelständler und Handwerker "vor diesem Bürokratie-Monster" zu schützen.