Zwei ehemalige Banker eines kleinen Instituts sind im Skandal um Cum-Ex-Steuertricks mit Dividendenpapieren festgenommen worden. Mitarbeiter des Bundeskriminalamts nahmen sie wegen Fluchtgefahr in Gewahrsam, wie die Generalstaatsanwaltschaft mitteilte. In dem Fall, in dem es um Cum-Ex-Geschäfte der Maple Bank geht, sitzt bereits seit Ende November ein ehemaliger Anwalt der Kanzlei Freshfields im Gefängnis.

Die Maple Bank war wegen dreistelliger Millionenforderungen der Finanzbehörden zusammengebrochen. In dem vorliegenden Fall geht es um einen Steuerschaden von mehr als 383 Millionen Euro, teilte die Generalstaatsanwaltschaft weiter mit. Die Behörde ermittelt nach eigenen Angaben gegen 18 Beschuldigte. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge befindet sich darunter auch ein weiterer Freshfields-Anwalt. Die Anwaltskanzlei lehnte eine Stellungnahme ab. Die Staatsanwaltschaft nannte die Namen der Verhafteten und der betroffenen Bank nicht. Einem Bericht des Handelsblatts zufolge wurde vor Kurzem Anklage gegen das nun festgenommene Duo sowie fünf weitere Angeschuldigte erhoben.

Bonner Gericht sieht Tatbestand der schweren Steuerhinterziehung erfüllt

Bei den Cum-Ex-Geschäften ließen sich Anleger die einmal gezahlte Kapitalertragsteuer auf Aktiendividenden mithilfe von Banken mehrfach erstatten. Dazu verschoben sie um den Stichtag der Dividendenzahlung herum untereinander Aktien mit – also cum – und ohne – ex – Dividendenanspruch. Allein die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt deshalb nach früheren Angaben in elf Verfahrenskomplexen, der mutmaßliche Steuerschaden liegt bei mehr als 850 Millionen Euro.

Am Landgericht Bonn findet derzeit der erste große Strafprozess in Deutschland um Cum-Ex-Geschäfte statt. Dabei geht es um einen Steuerschaden von 440 Millionen Euro. Da das Bonner Gericht den Tatbestand der schweren Steuerhinterziehung für erfüllt hält, steigt der Druck auf die Beteiligten. Ihnen droht der Entzug der erlangten Gewinne. Die Hamburger Privatbank M.M. Warburg hatte nach den Ausführungen von Richter Roland Zickler mitgeteilt, sie wolle sich möglichst schnell mit dem Fiskus einigen und die mit den Geschäften erzielten Gewinne erstatten.