Russland hat die neue Gasleitung von Sibirien nach China in Betrieb genommen. Die Energieversorgung über das Großprojekt "Kraft Sibiriens" soll die Beziehung zwischen beiden Ländern auf ein "ganz neues Level" heben, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin. Gemeinsam mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping eröffnete er per Videobrücke die 3.000 Kilometer lange Pipeline. Sie ist die bisher teuerste russische Gasleitung.

Zunächst wird ein Teilstück der Gasleitung mit 2.157 Kilometer Länge in Betrieb genommen. Die Pipeline führt in Russland von sibirischen Gasfeldern bis an die chinesische Grenze; in China von der nördlichen Provinz Heilongjiang bis nach Shanghai. Der russische Staatskonzern Gazprom hatte die Kosten für die längste Gasleitung im Osten Russlands mit 55 Milliarden US-Dollar (rund 50 Milliarden Euro) veranschlagt – rund fünfmal so viel wie die umstrittene neue Ostseepipeline Nord Stream 2. Diese soll 9,5 Milliarden Euro kosten und bis Ende des Jahres fertig sein.  

Xi äußerte sich hoffnungsvoll, dass die Gasleitung ein Motor für regionale wirtschaftliche und soziale Entwicklung wird. Bei der Inbetriebnahme sagte der chinesische Regierungschef, dass der Ausbau der Beziehungen zu Russland in der chinesischen Außenpolitik Priorität habe, wie die russische Nachrichtenagentur Tass berichtete. Putin sagte, man nähere sich dem Ziel, das bilaterale Handelsvolumen bis 2024 auf umgerechnet 182 Milliarden Euro zu steigern.

Bereits 2014 hatten Gazprom und die staatliche China National Petroleum Corporation nach langen Verhandlungen ein Abkommen im Wert von 400 Milliarden US-Dollar (circa 363 Milliarden Euro) unterzeichnet. Gazprom verpflichtete sich darin, für 30 Jahre 38 Milliarden Kubikmeter Erdgas jährlich an den chinesischen Ölkonzern zu liefern.

Der weltweit größte Energieverbraucher China ist auf neue Energiequellen angewiesen. Das liegt in Russlands Interesse: Angesichts der angespannten Beziehungen mit der Europäischen Union und den USA setzt Russland auf neue Exportmärkte im Osten für seine natürlichen Erdgasressourcen. Europa bleibt aber für Gazprom der wichtigste Exportmarkt – mit 201,7 Milliarden Kubikmeter im vergangenen Jahr.