Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt auch unter der neuen Präsidentin Christine Lagarde bei ihrer ultralockeren Geldpolitik. Der EZB-Rat belässt den Leitzins im Euroraum unverändert auf dem Rekordtief von null Prozent, wie die Notenbank mitteilte. Der Stand besteht mittlerweile seit März 2016. Außerdem müssen Banken weiter Negativzinsen von 0,5 Prozent zahlen, wenn sie Gelder bei der Zentralbank parken.

Seit November steckt die EZB zudem monatlich 20 Milliarden Euro in den Erwerb von Anleihen. Auf ein Enddatum für die Käufe legte sie sich erneut nicht fest. Die Transaktionen sollen erst dann beendet werden, wenn die EZB kurz davor stehe, die Zinsen zu erhöhen. Die EZB und die nationalen Euro-Notenbanken hatten bis Ende 2018 bereits Staatsanleihen und andere Papiere im Volumen von rund 2,6 Billionen Euro erworben. 

Die seit 1. November amtierende Lagarde hatte schon vor ihrem Amtsantritt deutlich gemacht, dass sie eine sehr lockere Geldpolitik auf absehbare Zeit für nötig hält. Allerdings will sie mögliche negative Folgen und Nebeneffekte des EZB-Kurses genauer in den Blick nehmen. Die Sorgen der Menschen müssten beachtet werden. Außerdem wolle sie die Entscheidungen der Notenbank künftig besser erklären. Auch der Kampf gegen den Klimawandel soll eine größere Rolle spielen.

Für Sparerinnen und Sparer hat das Zinstief negative Folgen, denn Zinsen auf Sparbücher und Tagesgeldkonten sind quasi abgeschafft. Wer viel Geld bei der Bank hat, dem drohen sogar Negativzinsen. Dagegen profitieren Kreditnehmer von den Niedrigzinsen.

Hauptziel der Währungshüter sind stabile Preise im Euroraum. Mittelfristig strebt die EZB für den Währungsraum mit seinen 19 Ländern eine Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen aufschieben, in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird.

Lagarde will prüfen, ob Inflationsziel noch zeitgemäß ist

Mit der Niedrigzinspolitik, die unter Lagardes Vorgänger Mario Draghi beschlossen wurde, versuchen die Währungshüter, die Wirtschaft anzukurbeln und die Teuerung anzuschieben. Dennoch hat die EZB ihr Inflationsziel seit Langem nicht mehr erreicht. Lagarde hat angekündigt, die Strategie der Notenbank bald zu überprüfen. Dabei geht es unter anderem darum, ob das mittelfristige Inflationsziel noch zeitgemäß ist.

Draghi hatte kurz vor Ende seiner achtjährigen Amtszeit die Geldpolitik weiter gelockert und das Zinstief verlängert. Vor allem die jüngste Neuauflage der Wertpapierkäufe hatte für viel Kritik von Ratsmitgliedern gesorgt. Gleich mehrere nationale Notenbankchefs hatten sich öffentlich distanziert – darunter auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. 

Der Kauf von Staatsanleihen hilft Regierungen, sich günstiger neues Geld zu besorgen. Zugleich soll der zuletzt erhöhte Strafzins Banken dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben, statt Geld bei der EZB zu parken. Den Leitzins angehoben hat die EZB zuletzt 2011.