Erfolg ist im Leben eine relative Angelegenheit, denn Erfolg und Misserfolg hängen halt vom Ziel und von den Maßstäben ab. Und manchmal ist es deshalb schon ein Erfolg, wenn etwas Übles nicht geschieht.   

Keine neuen Strafzölle zum 15. Dezember also; diesmal wären chinesische Laptops, Spielsachen und Kleidung im Wert von 160 Milliarden Dollar in den USA besteuert worden, so war es angekündigt. Nun aber: keine neuen Zölle, keine neuen Beschimpfungen. Darum keine neue Unsicherheit an den Börsen der Welt und vor allem keine akute Furcht vor der nächsten Eskalation im fragilen Verhältnis der zwei mächtigsten Staaten der Welt.
Ein Erfolg? Zweifellos.

Am Donnerstag war es durchgesickert, und am Freitag wurde es bestätigt: Die USA und China haben nach 21 Monaten bitteren Streits die sogenannte "Phase 1" ihrer Verhandlungen über ein Handelsabkommen mit einem Vertrag beendet, der 86 Seiten dick ist. "Das ist ein glänzender Deal für alle. Danke!", twitterte der amerikanische Präsident.

Trump war die Symbolik wichtig

Es war für Donald Trump die schlimmste und zugleich glorreichste Woche seiner Amtszeit. Mit einer 23:17-Mehrheit stimmte der Justizausschuss des Repräsentantenhauses für das Amtsenthebungsverfahren wegen Amtsmissbrauchs und Behinderung des Kongresses, was für einen Präsidenten mindestens eine Peinlichkeit ist, ein Moment der Scham. Und in ausgerechnet dieser Woche wurde nun zunächst der neue Handelsvertrag zwischen USA, Mexiko und Kanada (USMCA) bindend; und jetzt auch noch jener zwischen China und den USA.

Neben all den üblen Dingen, die folglich nicht geschehen werden, ist vor allem die Symbolik wichtig: Es gibt noch politisches Handeln in dieser Welt. Kompromisse sind möglich, sogar Verträge. Nationen können noch zusammenspielen (die EU, Polen ausgenommen, bewies es gerade mit ihrem Klimaabkommen), und nicht jede ihrer Handlungen gründet auf Egoismus; und nein, nicht alle Politik ist Zerstörung. 

So war das ja mit Trump auf der großen Bühne der Weltpolitik: Er zerschlug, was er zerschlagen konnte, das Pariser Klimaabkommen, den Nuklearvertrag mit Iran, einen Abrüstungsvertrag mit Russland und das nordamerikanische Handelsabkommen Nafta. Und er überzog China und die EU mit Strafzöllen, was die Welthandelsorganisation WTO so ohnmächtig wie sinnfrei werden ließ. Stets versprach Trump neue, bessere Verträge, und er versprach ein China, das nach den Regeln des Westens spielen würde, ausländische Investoren und deren Daten und Patente achtend, Wechselkurse respektierend.

China wird nicht viel abverlangt

Nichts davon geschah in der Wirklichkeit, es gab immer nur den ersten Schritt der Zerrüttung. Bis es immerhin jetzt eben doch passierte. Gleich zweimal. Ein bisschen.

Dieser Vertrag verlangt China in Wahrheit noch nicht viel ab. Staatschef Xi Jinping und seine Delegierten waren über ein Jahr lang stur und vor allem schweigsam geblieben und hatten gelesen, wie Trump auf Twitter schimpfte, drohte, einknickte; vor allem hatten sie erlebt, dass Trump in zwölf Monaten gleich viermal angekündigte Strafzölle verschob oder doch wieder absagte, als amerikanische Landwirte demonstrierten oder Börsenkurse absackten. Die Chinesen wirkten stoisch und stark, die Amerikaner ungeduldig und wankelmütig – eine Verhandlung auf Augenhöhe war es am Ende nicht mehr.