Miet- und Gehaltsdaten
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Hohe Mieten, dreiste Vermieter, dazu die Angst, sich eine Wohnung bald nicht mehr leisten zu können: Der Mietmarkt bereitet dieser Tage vielen Menschen Sorgen und beschäftigt auch die Politik mehr denn je. Im Schwerpunkt "Mieten am Limit" beleuchtet ZEIT ONLINE die verschiedenen Facetten der Krise – mit Reportagen, Datenanalysen und Interviews.

Sylt – das sind kilometerweite Sandstrände, Möwen und niedliche Reetdachhäuser. Ein Traum für all die Einheimischen, sollte man meinen. Doch Sylt könnte schon bald eine Insel ohne Sylter werden: Wegen der dramatisch steigenden Preise können sich viele der Ortsansässigen eine Mietwohnung dort kaum noch leisten. Für knapp 60 Quadratmeter müssen sie im Schnitt netto rund 780 Euro kalt zahlen, günstiger ist Wohnraum kaum zu haben. Unter diesen hohen Mietpreisen leiden natürlich vor allem Geringverdienende. Nach Berechnungen von ZEIT ONLINE müssen Singlehaushalte im Schnitt knapp 58 Prozent ihres Gehalts für die Miete ausgeben.

Ähnlich extrem ist die Lage am anderen Ende Deutschlands, im Süden. In München liegt die Mietbelastung für Geringverdienende im Schnitt bei 53 Prozent ihres Gehalts. Sylt und München sind neben Rottach-Egern und Bad Wiessee am Tegernsee die vier Gemeinden in Deutschland, in denen die Mietkosten für Geringverdienende mehr als die Hälfte des Gehalts ausmachen. Je höher die Fixausgaben, umso geringer der finanzielle Spielraum – besonders wenn unerwartete Ausgaben hinzukommen.

Wie sehr die Miete zur Last werden kann, zeigt das Kartentrio für jede einzelne Gemeinde in Deutschland. Dazu hat ZEIT ONLINE die Angebotsmieten in drei Kategorien unterteilt – günstige, mittlere und hohe Mieten. Für Geringverdienende steigt die Mietbelastung naturgemäß, je höher die Mieten vor Ort sind. Im Extremfall liegt die Belastung sogar bei mehr als 100 Prozent: Wenn ein Geringverdiener etwa auf Sylt eine Luxuswohnung mieten würde, müsste er in diesem – zugegeben theoretischen – Fall rund 110 Prozent seines Gehalts dafür ausgeben. 

So steigt die Belastung

Mittlere oder teure (rechts) Wohnungen können sich Geringverdienende kaum leisten.
Niedrigste 20 % Mieten
Mittlere Mieten (Median)
Höchste 20 % Mieten

ZEIT ONLINE hat erstmals Angebotsmieten und Gehälter aus allen Gemeinden Deutschlands in Bezug zueinander gesetzt – kleine Gemeinden wurden zu Gemeindeverbänden zusammengelegt. Wir haben uns gefragt: Wie groß ist der Anteil des monatlichen Gehalts, den Geringverdienende für die Miete ausgeben? Unter Geringverdienenden verstehen wir die 20 Prozent der gesamten Bevölkerung vor Ort mit dem niedrigsten Gehalt. Unsere interaktive Karte zeigt, wo in Deutschland die Mietpreisspirale Menschen mit geringem Gehalt an ihre finanziellen Grenzen bringt.

Die Mietdaten - es handelt sich um Angebotsmieten - stammen aus einem Datensatz, den die Immobiliendatenspezialisten von empirica regio ZEIT ONLINE exklusiv zur Verfügung gestellt haben. Die Gehälter hat die Bundesagentur für Arbeit für ZEIT ONLINE exklusiv ausgewertet. Ausführliche Informationen zur Methodik finden Sie oben in der Kartenlegende.

Wo in Deutschland ist für Geringverdienende die Grenze des Erträglichen überschritten? Wo ist die Lage für sie noch vergleichsweise entspannt? Folgendes zeigt unsere Auswertung:

Geringverdienende leiden überdurchschnittlich

Geringverdienende, die in einer vergleichsweise günstigen Wohnung wohnen, müssen im Bundesschnitt 31 Prozent ihres Gehalts in die Miete stecken. Zum Vergleich: Bei Gutverdienenden liegt die Belastung bei 22 Prozent – und das, obwohl sie in der Regel in teureren Wohnungen leben.

Besonders angespannt ist die Lage in den vier Millionenstädten Berlin, Hamburg, München und Köln. Menschen mit niedrigen Gehältern können sich das Wohnen hier kaum noch leisten. Selbst wenn sie so günstig wie möglich wohnen, müssen sie hier durchschnittlich mindestens 37 Prozent ihres Gehalts für Wohnen ausgeben. Aber auch in Uni-Städten wie Freiburg (41 Prozent), Lüneburg (37 Prozent) oder Greifswald (32 Prozent) ist die Belastung hoch.

Wie groß ist der Anteil Ihres Gehalts, den Sie für Miete ausgeben müssten?

Kaum Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland

Ein Ost-West-Unterschied lässt sich anhand der Daten nicht ausmachen: Im Westen geben Geringverdienende im Schnitt 31 Prozent ihres Gehalts für die Miete aus, in Ostdeutschland (ohne Berlin) ebenfalls. Ein Geringverdiener in Dortmund etwa muss mit einer Mietbelastung von etwa 28 Prozent rechnen. Eine Cottbusserin ebenfalls: Die Gehälter sind dort niedriger, die Mieten aber eben auch. 

Auffällig ist allerdings auch, dass man in zahlreichen Ecken Deutschlands mit wenig Gehalt noch immer recht günstig wohnen kann. Im nordrhein-westfälischen Borgentreich etwa, einer kleinen Ortschaft zwischen Paderborn und Kassel, liegt die Mietbelastung bei durchaus erträglichen 18 Prozent – das ist der niedrigste Wert in Deutschland. Überhaupt Borgentreich: Nirgendwo sonst in Deutschland lässt es sich so günstig wohnen wie hier im tiefsten Ostwestfalen.

An der Küste wird es teuer

Kleinere Orte sind allerdings nicht immer ein Garant für günstiges Wohnen, zumindest nicht, wenn sie in beliebten Ferienregionen liegen. Das zeigt ein Blick an die Nord- und Ostseeküste. Der kleine Ort Zingst auf dem Darß etwa zählt gerade einmal 3.000 Einwohnerinnen und Einwohner, ist aber ein beliebter Ostseekurort. Wohnraum ist hier knapp – und freie Wohnungen werden in der Regel an Feriengäste und nicht an Dauermieterinnen vergeben. Zwar bekommt man hier die teuersten Wohnungen für einen Quadratmeterpreis, für den man in München noch nicht einmal eine billige Bleibe finden würde. Aber in Zingst verdienen die Menschen mit niedrigem Einkommen eben auch weitaus weniger als im Süden Deutschlands. So kommen sie im Schnitt auf eine Mietbelastung von 45 Prozent ihres Gehalts, einer der höchsten Werte in Deutschland.

In München haben es Geringverdienende besonders schwer

Die Mietexzesse in München sind bekannt. Welche Belastung diese Entwicklung gerade für Geringverdienende bedeutet, zeigt ein Blick nach Grünwald, Pullach und Unterföhring, allesamt Gemeinden im Münchner Umland. Hier gehört man mit einem Nettogehalt von rund 1.800 Euro im Monat zu den Geringverdienenden. Auch wenn sich das verhältnismäßig hoch anhört: Wohnraum ist in dieser Gegend so knapp und teuer, dass Mieterinnen und Mieter rund die Hälfte ihres niedrigen Gehalts für die Miete ausgeben müssen. Auch weiter aus der Stadt herauszuziehen, hilft kaum: Im 60 Kilometer entfernten Garmisch-Partenkirchen (44 Prozent) etwa ist die Lage nicht wirklich besser.

Auf unserer Deutschlandkarte können Sie selbst nachsehen, wie hoch Ihre persönliche Mietbelastung ist: Geben Sie Ihr Nettogehalt, die gewünschte Wohnungsgröße und das Mietniveau ein (günstiges oder mittleres Preissegment oder Luxusklasse). Unsere Karte zeigt Ihnen für jede Gemeinde in Deutschland an, wie viel Gehalt sie anteilig für die Miete ausgeben müssten.

Wo Mieten für Sie teuer wird

Wie groß ist der Anteil Ihres Gehalts, den Sie für Miete ausgeben müssten?
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