Die Zahl der Baugenehmigungen ist in den ersten zehn Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr nicht nennenswert gestiegen. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Demnach stimmten die Behörden dem Neubau oder Umbau von knapp 289.700 Wohnungen zu. Ihre Zahl blieb damit annähernd auf Vorjahresniveau. Während die amtlichen Zusagen für Einfamilienhäuser um 1,4 Prozent zulegten, gab es sowohl bei Zweifamilienhäusern (-0,2 Prozent) als auch bei Mehrfamilienhäusern (-0,9) leichte Rückgänge.

Zugleich wies die Behörde darauf hin, dass die Zahl neuer Genehmigungen seit geraumer Zeit höher sei als die Zahl der Baufertigstellungen. Dieser Bauüberhang nehme seit einigen Jahren zu. Das Statistische Bundesamt hatte erst kürzlich neue Zahlen zum Baustau veröffentlicht. Demnach gab es vergangenes Jahr mehr als doppelt so viele genehmigte aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen wie 2008. Die Zahl stieg von etwa 320.000 auf fast 700.000.

Besonders oft kommt es in den Großstädten und Ballungszentren zum Verzug. Als Ursache dafür geben Ökonomen unter anderem ausgelastete Bauunternehmen, gestiegene Preise und einen Fachkräftemangel im Baugewerbe an. In den Großstädten spielen zudem Spekulationsobjekte und -flächen eine Rolle.

Die Zahl der Baugenehmigungen gilt als eine wichtige Größe, um die künftige Entwicklung des Wohnungsbaus einzuschätzen. Auch 2020 dürfte die Zahl der fertiggestellten Wohnungen damit weit unter dem geschätzten Bedarf bleiben. Um die große Nachfrage nach Immobilien zu decken, müssen nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft in Deutschland jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen entstehen. Die Bundesregierung hatte sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, bis zum Jahr 2021 mindestens 1,5 Millionen neue Wohnungen zu schaffen. Das entspricht 375.000 Wohnungen pro Jahr.

Neben dem stagnierenden Wohnungsbau belasten auch die in den vergangenen Jahren gestiegenen Durchschnittsmieten in Ballungsräumen den Wohnungsmarkt. Mit 10,49 Euro pro Quadratmeter zahlt man nach Berechnungen von ZEIT ONLINE beispielsweise in Berlin für eine neu angemietete Wohnung heute 42 Prozent mehr Miete als noch im Jahr 2012. Hamburg liegt mit einer mittleren Miete von 11,59 Euro auf dem zweiten, Köln mit 11,13 Euro auf dem dritten Platz. Am teuersten ist es in München (17,51 Euro).

Hohe Mieten, dreiste Vermieter, dazu die Angst, sich eine Wohnung bald nicht mehr leisten zu können: Der Mietmarkt bereitet dieser Tage vielen Menschen Sorgen und beschäftigt auch die Politik mehr denn je. Im Schwerpunkt "Mieten am Limit" beleuchtet ZEIT ONLINE die verschiedenen Facetten der Krise – mit Reportagen, Datenanalysen und Interviews.