Der Wald im brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster sieht nicht gut aus. Die Wipfel vieler Kiefern nicht grün, sondern nussbraun. Revierförsterin Maria Goldberg zeigt auf ein winziges Insekt in einer Plastikdose: Schuld an dem Schaden ist der blaue Kiefernprachtkäfer. Noch ist Zeit, aber klar ist: Das Holz muss raus. "Wir kommen mit den Aufräumarbeiten kaum hinterher. Erst die Stürme, jetzt die Schädlinge. Wenn bis zum Frühjahr nicht vollständig geräumt wird, werden die Nachkommen des Käfers die nächsten Bäume befallen", sagt sie.

Rund 1.000 Waldbesitzerinnen und -besitzer haben hier in der Region Wald. Försterinnen und Förster wie Goldberg müssen sie finden und beraten, Firmen für den Transport suchen und Anträge schreiben. Und nicht nur hier: Die zwei Millionen privaten Waldbesitzer, die meisten davon mit weniger als 20 Hektar, müssen sich ebenso wie die Förster in den Staatswäldern derzeit um die Wälder kümmern. Kontrollieren, räumen und dann aufforsten.

Insgesamt sind gut 250.000 Hektar Wald in Deutschland beschädigt. Millionen Bäume sind kaputt. Doch die Aufforstung wird nicht ganz einfach sein. Der Grund: "Es gibt einen großen Personalmangel in der Forstwirtschaft", sagt Ulrich Dohle, Präsident des Bundesverbandes der Forstleute (BDF). Hier sind rund 10.000 Forstbeschäftigte organisiert. 60 Prozent des Personals sei in den vergangenen Jahrzehnten abgebaut worden, wer noch da sei, schaffe gerade mal den Regelbetrieb. Die Branche, Durchschnittsalter 50, sei zudem überaltert. Irgendjemand, sagte Dohle bereits im August der ZEIT, müsse aber "die Pflanze in die Hand nehmen und in den Boden setzen". 

Freiwillige als Pflanzhelfer

Machbar wäre das. "Als wir das im August gesehen haben, haben wir gedacht: Das ist ein lösbares Problem. Wir müssen nur diejenigen, die das Thema beschäftigt, mit den Fachleuten zusammenbringen. Das können wir mit einer Onlineplattform", sagt Gesa Müller-Schulz. Die Idee der jungen Berlinerin und ihren fünf Freunden und Familienmitgliedern: Raus in den Wald. Nicht Geld spenden, sondern pflanzen – als Freiwillige. Försterinnen und Förster sowie Waldbesitzende stellen ihre Aktionstage online, Freiwillige tragen sich dafür ein. Seit vergangenem Freitag kann man solche Aktionstage tatsächlich auf Deutschland-forstet-auf.de einstellen, seit Montag können sich Freiwillige eintragen. Unterstützt wird die Truppe vom BDF und von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) – schließlich hatte keiner aus der Initiative je zuvor mit Forstwirtschaft zu tun. 

Freiwillige als Pflanzhelfer sind nicht neu, das Interesse daran wächst immer mehr. Organisationen wie die SDW und das Bergwaldprojekt führen seit Jahren Pflanzaktionen mit Freiwilligen durch. Die SDW bringt an Aktionstagen so schon mal 100.000 Setzlinge in die Erde. Allerdings erfordern Pflanzaktionen viel Vorbereitung: Neben der üblichen Bodenbearbeitung braucht man für die Freiwilligen Werkzeug wie Hohlspaten, mitunter Verpflegung und Trinkwasser. Und: Sie müssen angeleitet werden.

Der Brandenburger Förster Uwe Honke hat über die Plattform bereits einen Termin für Anfang März angemeldet. In seinem Revier hat die Waldgenossenschaft Bardenitz einen 100 Hektar großen Kahlschlag, er sucht 100 Freiwillige. "Einen Hektar könnte man schaffen, wenn 20 Freiwillige zusammenkommen. Mit deren Hilfe könnten wir 15.000 bis 20.000 Bäume in die Erde bekommen", sagt Honke, der gute Erfahrungen mit Ehrenamtlichen gemacht hat.