Die deutsche Wirtschaft ist vergangenes Jahr um 0,6 Prozent gewachsen. Das ist deutlich weniger als 2018 und 2017 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 und 2,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Dennoch sei Europas größte Volkswirtschaft damit im zehnten Jahr in Folge gewachsen, das sei die längste Wachstumsphase im vereinten Deutschland.

2019 habe das Wachstum aber an Schwung verloren, hieß es weiter. Zum Jahresende erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt nach einer ersten Schätzung des Bundesamtes im Vergleich zum Vorquartal "geringfügig".

Zu dem insgesamt positiven Ergebnis hat vor allem der Konsum beigetragen. Die privaten Konsumausgaben waren 1,6 Prozent höher als im Vorjahr, die des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter zählen, stiegen sogar um 2,5 Prozent.

Auch Investitionen in Anlagen nahmen kräftig zu, wie die Statistikerinnen mitteilten: In Bauten etwa wurde 3,8 Prozent mehr investiert als ein Jahr zuvor. Besonders die exportorientierte deutsche Industrie hat indes ein hartes Jahr hinter sich. Die Handelsstreitigkeiten und das Drama um den Brexit verunsicherten Kunden und bremsten Investitionen. Deutsche Schlüsselbranchen wie der Auto- und Maschinenbau sowie die Elektro- und Chemieindustrie bekamen das deutlich zu spüren. Die Industrie rutschte deswegen sogar im Jahresverlauf in eine handfeste Rezession.

Der Außenhandel fiel unter anderem deswegen als Wachstumstreiber aus. Nach den vorläufigen Berechnungen legten die Importe mit plus 1,9 Prozent stärker zu als die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen mit lediglich 0,9 Prozent.

Staat erzielt erneut Überschuss

Trotz der schwächelnden Konjunktur konnte der deutsche Staat das achte Jahr in Folge einen Überschuss erzielen. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung nahmen zusammen 49,8 Milliarden Euro mehr ein, als sie ausgaben, teilte das Statistische Bundesamt mit. 2018 hatte es einen Rekordüberschuss von gut 62 Milliarden Euro gegeben. Die Summe entspricht einem Überschuss von 1,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes nach 1,9 Prozent 2018.

"Der Arbeitsmarkt spiegelt die Eintrübung der Konjunktur noch nicht wider", erklärte Ökonom Jens Boysen-Hogrefe vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) den erneut hohen Überschuss. "Beschäftigung und Löhne sind weiter gestiegen. Das sorgte für mehr Steuer- und Beitragseinnahmen." Auch der private Konsum und der Bauboom spülten dem Staat mehr Geld in die Kassen. "Die Niedrigzinsphase entlastet die öffentlichen Haushalte zugleich", sagte der Steuerschätzer. "Zudem fließen viele Gelder gar nicht ab, die eigentlich für Investitionen geplant waren."

Der Bund allein beendete das Jahr mit einem Plus von 19,2 Milliarden Euro. Die Länder schafften einen Überschuss von 13,3 Milliarden Euro, die Sozialversicherung von 10,7 Milliarden und die Gemeinden von 6,6 Milliarden.

"Die Spielräume für die Politik werden künftig kleiner werden", sagte Boysen-Hogrefe. "So wird 2021 der Soli teilabgeschafft. Was an Investitionen bereitsteht, wird auch irgendwann abgerufen." Mittel- bis langfristig werde der demografische Wandel zuschlagen. Mehr Rentnerinnen und Rentnern dürften weniger Beitragszahlerinnen und Beitragszahler gegenüberstehen. Auch die Finanzlage der Kranken- und Pflegeversicherung werde von der Demografie beeinträchtigt.