Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) SPD-Vorschläge unterstützt, Bürgerinnen und Bürger in Orten mit neuen Windrädern Geld zu zahlen. "Es geht darum, dass wir die Menschen, die am Infrastrukturausbau beteiligt sind, dafür in gewisser Weise entschädigen oder belohnen, dass sie die Gesamtlast für die Bevölkerung ganz Deutschlands auf sich nehmen", sagte Merkel beim Neujahrsempfang der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns in Stralsund.

Es gebe eine wachsende Kluft zwischen den Menschen in der Stadt mit größeren Bedürfnissen nach Ökostrom und den Menschen auf dem Land, die mit der dafür nötigen Infrastruktur leben müssten. "Es geht im Grunde um die Frage, ob wir uns noch verstehen zwischen Stadt und Land", sagte sie. "In den Städten ist es natürlich sehr einfach, für die Windenergie zu sein". Merkel unterstütze daher "sehr" einen Vorschlag von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), dass die Menschen, die an der Erzeugung von erneuerbarer Energie in ihrer direkten Umgebung beteiligt seien, "auch an den Gewinnen beteiligt seien".

Anfang Januar hatte der SPD-Umweltpolitiker Matthias Miersch ein sogenanntes Windbürgergeld vorschlagen, das die Akzeptanz von Windrädern in der eigenen Nachbarschaft finanziell belohnen würde. Das unterstützt auch die SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hatte sich dafür ausgesprochen, Bürger etwa über Genossenschaftsmodelle an Windanlagen zu beteiligen. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund, der weitere finanzielle Ansprüche bei anderen Infrastrukturprojekten befürchtet, ist gegen eine Entschädigung.

Zahlreiche Initiativen gegen neue Windräder

Hintergrund der Debatte ist der starke lokale Widerstand in vielen Orten gegen den Bau weiterer Windanlagen sowie von Stromtrassen von Norden nach Süden. Beides erschwert den vorgesehenen Übergang zu erneuerbaren Energien bei der Stromversorgung. Hunderte Bürgerinitiativen haben bereits gegen den Ausbau erneuerbarer Energien protestiert. Derzeit sind in Deutschland Klagen gegen 300 Windräder anhängig. 

Zugleich bremst die Bundesregierung: Die Vorschriften für Genehmigung und Betrieb neuer Anlagen wurden verschärft. Im Klimapaket einigten sich Union und SPD unter anderem auf einen Mindestabstand von 1.000 Metern zu Siedlungen, wenn neue Anlagen gebaut oder ältere vergrößert werden. Befürworter der Regelung argumentieren, dies erhöhe die Akzeptanz in der Bevölkerung. Kritiker sagen, dass damit der notwendige Ausbau kaum oder gar nicht möglich sei, weil Flächen fehlten.