Hausarbeit, Kindererziehung, Pflege von Angehörigen – Frauen in Deutschland arbeiten pro Tag im Schnitt viereinhalb Stunden, ohne dass sie dafür bezahlt werden. Denn Fürsorgearbeit ist immer noch überwiegend Frauensache, überall auf der Welt. Einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge verrichten Frauen weltweit etwa viermal mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer.

Viele Frauen (und Männer) finden das ungerecht und wollen eine gleichere Verteilung zwischen den Geschlechtern. Denn dass Frauen die Hauptlast der unbezahlten Arbeiten leisten, hat viele negative Folgen. Für den Arbeitsmarkt, wo Frauen als Arbeitskräfte fehlen, weil sie sich um Haushalt und Familie kümmern. Für die Absicherung im Alter, denn wenn Frauen nicht oder reduziert erwerbstätig sind, haben sie auch geringere Rentenansprüche. Und sogar für die Zufriedenheit innerhalb der Partnerschaft, schließlich macht die ungleiche Verteilung Männer wie Frauen unzufrieden.

Auf die ungleiche Verteilung der Care-Arbeit soll nun ein bundesweiter Aktionstag aufmerksam machen: der Equal Care Day (ECD). Er wurde 2016 von der Journalistin Almut Schnerring und dem Autoren Sascha Verlan ins Leben gerufen. 2020 findet er erstmals bundesweit unter Beteiligung verschiedener Verbände und Initiativen statt. Der ECD ist unabhängig und wird nicht, wie man vielleicht denken könnte, vom Bundesfamilienministerium gefördert. Vielmehr steckt noch immer das Journalistenpaar und jede Menge Gleichgesinnte dahinter.

Schnerring und Verlan hatten sich im Rahmen ihres Buchprojekts Die Rosa-Hellblau-Falle schon länger mit den Auswirkungen von Geschlechterstereotypen auf die Berufswahl von Jungen und Mädchen beschäftigt. Daraus entstand die Idee, einen Aktionstag wie den Equal Pay Day zu schaffen – dieser Tag macht auf die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen aufmerksam und wird in vielen Ländern auf der Welt begangen. Schnerring und Verlan wählten den 29. Februar als Schalttag, um damit symbolisch darauf aufmerksam zu machen, dass Care-Arbeit größtenteils unsichtbar bleibt. Und weil es den 29. Februar nur alle vier Jahre gibt, symbolisiert, dass Männer rechnerisch etwa vier Jahre bräuchten, um so viele private, berufliche und ehrenamtliche Fürsorgetätigkeiten zu verrichten wie Frauen in einem Jahr.

Aber es gibt immer wieder Kritik daran, dass die unbezahlte Arbeit in Zeiten beziffert wird: Vor allem Männer wenden ein, dass Frauen ja überwiegend Teilzeit arbeiteten, die Aufgabenteilung selbst so gewählt haben oder dass Arbeiten im Garten oder Reparaturen, die überwiegend von Männern verrichtet würden, ja auch nicht bezahlt würden.

Umstrittene Methodik

Tatsächlich ist die Methode, Care-Arbeit in Zeit zu bemessen, nicht unproblematisch: Es kursieren, je nach Methodik und Definitionen, unterschiedliche Zeitangaben. Dennoch sind die Unterschiede marginal. So kommt etwa der Zweite Gleichstellungsbericht der Bundesregierung auf einen Gender Care Gap von 52,4 Prozent. Laut diesem Gutachten leisten Frauen vier Stunden und 13 Minuten pro Tag, Männer zwei Stunden und 46 Minuten. Dieser Bericht bezieht alle Tätigkeiten in Haus und Garten ein. Sogar ehrenamtliches Engagement wird erfasst, ebenso wie Fahrtzeiten. Die Männer dürfen hier also nicht klagen. 

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam 2017 eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, nach der Frauen 2,4 mal so viel Zeit für unbezahlte Fürsorgearbeit und 1,6 mal so viel Zeit für Hausarbeit verwenden wie Männer derselben Altersgruppe.

Das wohl größte Problem sind Ungenauigkeiten bei der Definition und Messung. Für den Gender Care Gap der Bundesregierung diente die dritte repräsentative Zeitverwendungserhebung von 2012 und 2013 des Statistischen Bundesamtes als Datengrundlage. Für sie wurden insgesamt über 5.000 Haushalte an zwei Wochentagen sowie an einem Tag am Wochenende zu ihren täglichen Aktivitäten schriftlich befragt. Mitgemacht haben Erwachsene ab achtzehn Jahren – aber niemand weiß, wie ehrlich und wie exakt die Teilnehmenden bei ihren Angaben waren. 

Für die internationale Studie der ILO wurden solche nationalen Untersuchungen aus 41 Ländern miteinander verglichen und ausgewertet. Auch hier basierten viele Daten auf Zeit-Tagebüchern und Befragungen. Doch teils lagen den Erhebungen unterschiedliche Definitionen von unbezahlter Care-Arbeit zugrunde.