Sigmar Gabriel hat seinen geplanten Wechsel in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank verteidigt. "Ich finde es schlimm, dass sofort der Generalverdacht entsteht, man würde sozusagen seine Seele verkaufen, wenn man nach dem Ende seiner politischen Laufbahn eine Aufgabe in der Wirtschaft wahrnimmt", sagte der ehemalige SPD-Vorsitzende der Bild am Sonntag. Auch in Zukunft werde er nicht anders denken und handeln als bisher.

Gabriel nahm die Diskussion zum Anlass um zu fragen, welche Jobs Politikerinnen und Politiker nach ihrer Laufbahn überhaupt übernehmen dürften: "Sie sollen keine vorzeitigen Pensionen beziehen, sie sollen nicht zu Lobbyisten werden und eigentlich sollen sie auch nicht in die Wirtschaft gehen. Was denn dann?"

Außerdem habe er ein Gesetz im Bundestag eingebracht, nach dem sich Regierungsmitglieder 18 Monate lang nach ihrem Amt jede Tätigkeit genehmigen lassen müssen. Ihm fehle "jedes Verständnis", so Gabriel, wenn sich alle an diese Regeln hielten und dann "immer noch dafür kritisiert werden, dass wir nicht auf der faulen Haut liegen und Pensionen beziehen".

Kritik von Linken und Grünen

Die finanzpolitische Sprecherin der Grünen, Lisa Paus, nannte den Wechsel Gabriels im Tagesspiegel "das falsche Signal zur falschen Zeit". Kritik gab es auch von Bernd Riexinger, Vorsitzender der Linken, er twitterte: "Schröder ist als Kumpel von Putin bei Gazprom im Geschäft und Gabriel legt jetzt noch eins drauf und wird Aufsichtsrat für die Deutsche Bank."

Die Organisation Abgeordnetenwatch forderte unterdessen eine Karenzzeit von drei Jahren für einen solchen Wechsel. Sprecherin Léa Briand sagte dem Tagesspiegel: "Es schadet dem Demokratieverständnis, wenn Sigmar Gabriel keine zwei Jahre nach seinem Ausscheiden als Vizekanzler jetzt sein Adressbuch an die Deutsche Bank versilbert, das er nur als Vertreter des Volkes so prall füllen konnte."

Gabriel folgt Jürgen Zeltner nach

Die Deutsche Bank hatte Gabriel für einen Sitz in ihrem Kontrollgremium nominiert. Bei einer Hauptvollversammlung am 20. Mai muss er sich den Aktionären zur Wahl stellen. Laut Gabriel hatte Aufsichtsratschef Paul Achleitner ihn Ende vergangenen Jahres angesprochen. Nach Gesprächen im Aufsichtsrat und mit wichtigen Anteilseignern habe Achleitner ihm vergangene Woche mitgeteilt, dass es Zustimmung für ihn gebe. Man freue sich, "mit Sigmar Gabriel einen überzeugten Europäer und Transatlantiker für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank gewinnen zu können", so Achleitner.

Gabriel selbst nannte die Berufung "eine große Ehre". Er wird im Aufsichtsrat Jürgen Zeltner nachfolgen. Dieser hatte sein Mandat wegen Interessenskonflikten Ende vergangenen Jahres niedergelegt. Von Dezember 2013 bis März 2018 war Gabriel unter anderem Vizekanzler. Als zunächst Umweltminister, dann Wirtschafts- und später Außenminister gehörte er neun Jahre lang dem Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel an. Von 2009 bis 2017 war Gabriel Chef der SPD. Seit seinem Rückzug aus der Bundesregierung 2018 und der vorzeitigen Niederlegung seines Bundestagsmandats ist er in internationalen Gremien und Organisationen wie der Atlantik-Brücke aktiv.