Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch fordert die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse. "Solange ein Kopf Brokkoli mehr kostet als ein paniertes Schweineschnitzel, läuft etwas falsch in der Agrarpolitik", sagte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker der Passauer Neuen Presse. "Die Bundesregierung kann die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse schnell und nationalstaatlich umsetzen." So könne vielen Menschen eine gesunde und preiswerte Ernährung erleichtert werden.


Gleichzeitig leiste man damit einen Beitrag für eine umwelt- und klimafreundliche landwirtschaftliche Produktion, sagte Rücker. Mit der Streichung der Mehrwertsteuer für Obst und Gemüse könnten dort Anreize gesetzt werden. Zugleich würde der Schritt finanzschwache Verbraucherinnen und Verbraucher entlasten. Frisches Obst und Gemüse werden aktuell mit sieben Prozent besteuert.


Zum Jahresbeginn hat der Bundestag die Mehrwertsteuer auf eine Reihe von Waren und Dienstleistungen von 19 Prozent auf den reduzierten Satz von sieben Prozent gesenkt. Dazu gehörten unter anderem elektronische Bücher und Zeitschriften sowie Bahntickets im Fernverkehr. Ebenfalls reduziert wurde die Mehrwertsteuer auf Tampons. Allerdings könnte diese Steuersenkung für Verbraucherinnen wirkungslos bleiben: Mehreren Medienberichten zufolge wollen einige Hersteller die Preise erhöhen. Diese dementierten die Berichte zwar. Dennoch wäre ein solches Szenario auch bei dem Vorschlag von Foodwatch denkbar.


Foodwatch wurde 2002 gegründet und ist eine der bekanntesten Verbraucherschutzorganisationen zum Thema Ernährung in Deutschland. Zuletzt bemängelte der Verein, dass jede dritte Lebensmittelkontrolle in Deutschland ausfällt. Auch kritisierte er häufig Bundeslandwirtschafts- und Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU), etwa aufgrund eines gemeinsamen Videos mit einem Nestlé-Manager oder ihres Widerstandes gegen eine Lebensmittelampel