Der geplante Ausbau der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder kostet den Staat zwar Milliarden, beschert ihm aber auch deutliche Mehreinnahmen. Ein von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) vorgestelltes Gutachten beziffert diesen Nutzen auf ein bis zwei Milliarden Euro jedes Jahr. Forscherinnen und Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kommen in ihren Berechnungen zu dem Schluss, das ein Mehr an Betreuungsangeboten es Frauen ermöglicht, erwerbstätig zu sein oder ihre Arbeitszeit aufzustocken. Das Arbeitsvolumen von Müttern mit Grundschulkindern könne so um drei bis sieben Prozent wachsen. Dadurch stiegen Einnahmen an Steuern und für die Sozialversicherungen. Der Ausbau der Ganztagsbetreuung finanziere sich damit zu einem Teil selbst, sagte Giffey.

Der Studie zufolge kommen durch einen Ausbau der Ganztagsangebote für Grundschulkinder je nach Szenario und Kostenschätzung zwischen 32 und 89 Prozent der Ausgaben durch Steuer- und Sozialmehreinnahmen wie auch Einsparungen bei den Sozialausgaben in die öffentlichen Kassen zurück.

Die SPD-Politikerin sieht darin ein zusätzliches Argument für mehr Ganztagsbetreuung. Vor allem gehe es aber um Chancengerechtigkeit für Kinder. "Das muss unser Hauptantrieb sein. Das ist mir jeden einzelnen Euro wert", sagte Giffey. Es gehe auch um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um die Gleichstellung von Frauen und Männern und um den Fachkräftemangel, zu dessen Linderung Frauen beitragen könnten.

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass bis 2025 der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse durchgesetzt sein soll – an fünf Tagen in der Woche, für acht Stunden am Tag. Dabei geht die Regierung davon aus, dass für 75 Prozent der Grundschulkinder ein Ganztagsplatz benötigt wird. Die Nachfrage ist aber regional sehr unterschiedlich – im Osten oder den Stadtstaaten Hamburg und Berlin ist sie deutlich höher als in anderen Ländern.

Derzeit gibt es laut Giffey für etwa die Hälfte aller Grundschulkinder eine Ganztagesbetreuung. Die Ministerin geht von etwa einer Million Ganztagsbetreuungsplätzen aus, die auf kommunaler Ebene zusätzlich geschaffen werden müssen. Die Kosten für den Ausbau an den 15.000 Grundschulen in Deutschland werden auf fünf bis sieben Milliarden Euro geschätzt. Der Bund stellt für diesen Ausbau zwei Milliarden Euro zur Verfügung. Hinzu kommen prognostizierte laufende Betriebskosten pro Jahr von bis zu vier Milliarden Euro.