Die offiziellen Handelsdaten aus der Europäischen Union deuten auf einen Umsatzsteuerbetrug in großem Stil hin. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) und des Münchner Ifo-Instituts, die Daten aller 28 Mitgliedsstaaten ausgewertet haben. Demnach kommt die EU mit sich selbst auf einen Handelsüberschuss von 307 Milliarden Euro, obwohl hier bei einer korrekten Erfassung aller Im- und Exporte am Ende eine Null stehen müsste.

Laut den beiden Wirtschaftsinstituten werden den Mitgliedsländern im Durchschnitt 18 Prozent zu viel Warenexporte und 26 Prozent zu viel Dienstleistungsexporte gemeldet. Messfehler allein, so IfW und Ifo, könnten diese systematische Abweichung nicht erklären. Als Ursachen vermuten die Experten vielmehr einen massiven Umsatzsteuerbetrug, der die EU-Staaten – und damit die Steuerzahler – 30 bis 60 Milliarden Euro pro Jahr. 

"Wenn Unternehmen Umsätze als Exporte deklarieren, sind diese von der Umsatzsteuer befreit", erläuterten IfW-Präsident Gabriel Felbermayr und Ifo-Forscher Martin Braml. "Werden diese Umsätze aber gar nicht im Ausland erzielt, sondern im Inland, fehlen sie in der Importstatistik des angeblichen Handelspartners und bleiben damit unversteuert."

Die Institute empfehlen einen digitalen, automatisierten Datenabgleich von Importen und Exporten innerhalb der EU, um Bilanzfehler künftig zu verringern und Betrug zu erschweren. Dies würde auch die Bilanzqualität in den einzelnen Staaten angleichen, fällt diese zurzeit doch höchst unterschiedlich aus.

Die beste Datenqualität lieferten demnach die Niederlande. Deutschland liegt laut der Studie im vorderen Mittelfeld, während Zypern, Irland, Luxemburg und Schweden die größten Abweichungen aufweisen. IfW und Ifo fiel zudem auf, dass die Unterschiede zwischen Nachbarstaaten besonders ausgeprägt sind sowie zwischen Mitgliedsländern mit größeren Unterschieden in den Mehrwertsteuersätzen.