Australische Umweltaktivisten haben empört auf die Entscheidung des Industriekonzerns Siemens reagiert, trotz Protesten von Klimaschützern an einer wichtigen Zulieferung für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien festzuhalten. Der Firmenbeschluss sei "nichts weniger als schändlich" und ruiniere das Image von Siemens, teilte die Australian Conservation Foundation mit. "Mit dieser Entscheidung zeigt das Unternehmen sein wahres Gesicht." Die angebliche Klimawandel-Strategie des Konzerns habe sich als "inhaltsleer und bedeutungslos" entpuppt – er sei keinen Deut besser als die von der Ausbeutung fossiler Energieträger profitierenden Firmen, mit denen er zusammenarbeite. Der Protest gegen das Bergwerkprojekt werde weitergeführt, kündigten die Aktivisten an.

Siemens will eine Zugsignalanlage für ein Kohlebergwerk in Australien zuliefern. Die Adani Group will dort eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. Dennoch teilte Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser am Sonntagabend auf Twitter nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung mit, der Konzern werden an der Projektbeteiligung festhalten. 

Bei der Kritik an dem Vorhaben geht es neben dem Klimaschutz auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt. Besondere Brisanz hatte das Thema zuletzt auch durch die riesigen Buschbrände in Australien bekommen.

Kritik an Siemens von Klimaaktivisten weltweit

Auch die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer reagierte: "Joe Kaeser macht einen unentschuldbaren Fehler", sagte sie. "Diese Entscheidung ist aus dem Jahrhundert gefallen." Statt Verantwortung für das Pariser Klimaschutzabkommen zu übernehmen, gefährde Siemens das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius einzudämmen. "Wir haben Kaeser gefragt, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um die Adani-Mine zu verhindern", sagte Neubauer. "Stattdessen schlägt er nun Profit aus diesem Katastrophenvorhaben."

Siemens - "Wir müssen unsere vertraglichen Bedingungen erfüllen." Siemens wird sich am Bau der umstrittenen Kohlemine in Australien beteiligen. Fridays for Future ruft spontan zu Demonstrationen auf und kündigt weitere Proteste an. © Foto: Reuters TV

Kaeser hatte sich noch am Freitag mit der Klimaaktivistin von Fridays for Future getroffen und ihr dabei auch einen Sitz im Aufsichtsratsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy angeboten. Neubauer lehnte das Angebot mit einem Hinweis ab, ihre Unabhängigkeit als Aktivistin wahren zu wollen. Stattdessen schlug sie Kaeser vor, den Posten einem Wissenschaftler von Scientists for Future anzubieten. Dies lehnte wiederum Kaeser ab mit der Begründung, Siemens habe bereits genug Experten und Wissenschaftler.

Auch Fridays-for-Future-Gründerin Greta Thunberg hatte Siemens aufgefordert, "die einzig richtige Entscheidung" zu treffen und Adani nicht zu beliefern. Der Konzern solle seinen Ruf nicht für den Bau eines Bergwerks beschädigen, das es "eigentlich nicht geben dürfte". Neubauer hatte vor allem die Tragweite der Siemens-Entscheidung betont. Der Konzern sei von jenen, die eine solche Technik liefern könnten, derzeit als einziger auch dazu bereit, sagte sie. Eine Absage wäre nach dieser Argumentation ein deutliches Zeichen für den Klimaschutz gewesen.