Nur 276 neue Windkraftanlagen wurden 2019 in Deutschland in Betrieb genommen. Das ist der tiefste Stand seit mehr als 20 Jahren, wie aus einer Auswertung der Fachagentur Windenergie hervorgeht. Mit einer Gesamtleistung der neuen Anlagen von 940 Megawatt liegt der sogenannte Zubau damit erstmals seit 1998 wieder unterhalb von 1.000 Megawatt. Da zugleich auch 69 Anlagen stillgelegt wurden, beträgt der Nettozubau sogar nur 854 Megawatt. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Leistungsrückgang von mehr als 60 Prozent.

"Der politisch verursachte Zubaueinbruch im Jahr 2019 birgt enorme Gefahren für die Erreichung der deutschen Klimaschutzziele und gefährdet darüber hinaus das Wertschöpfungsnetzwerk der deutschen Windenergiebranche", sagte der Präsident des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers. Branchenverbände hatten im Juli noch mit einem Zubauvolumen von rund 1.500 Megawatt für 2019 gerechnet. "Die Bundesregierung muss jetzt schnell in die Umsetzung des 18-Punkte-Arbeitsplans aus dem Bundeswirtschaftsministerium gehen", forderte Albers. Dieser Plan sieht etwa vor, mehr Rechtssicherheit bei der Regionalplanung zu schaffen und Genehmigungen zu beschleunigen. "Gelingt das nicht, droht Deutschland in eine Ökostromlücke zu laufen", warnte Hermann Albers.

Die meiste Leistung erzeugt Brandenburg

Die meiste Leistung aus Windenergie erzeugt derzeit Brandenburg mit insgesamt 194 Megawatt. 2019 gingen hier 57 neue Anlagen in Betrieb. In Niedersachsen waren es 54 Anlagen, in Nordrhein-Westfalen 38. In Bayern gingen 2019 sechs neue Windenergieanlagen in Betrieb. Im grün-schwarz regierten Baden-Württemberg waren es fünf, im schwarz-grün regierten Hessen vier.

In der schwarz-roten Koalition gibt es seit Wochen Streit über den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie die Akzeptanz in der Bevölkerung für Windparks erhöht werden kann. Im ursprünglichen Entwurf des Kohleausstiegsgesetzes enthalten war eine Regelung für einen Mindestabstand von 1.000 Metern von Windrädern zur Wohnbebauung. Umstritten ist in der Koalition vor allem, dass der Mindestabstand schon bei mehr als fünf Häusern greifen soll.

Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 den Anteil von Ökostrom in Deutschland am Bruttostromverbrauch auf 65 Prozent zu steigern. 2019 waren es nach Zahlen des Energieverbandes BDEW 43 Prozent. 2022 geht das letzte Atomkraftwerk vom Netz, bis spätestens 2038 soll mit dem Strom aus Kohle Schluss sein.