Die SPD will sich dafür einsetzen, dass öffentliche Aufträge künftig auch auf Bundesebene nur noch an Unternehmen mit Tarifverträgen vergeben werden. "Wir sind mit in der Verantwortung, den Rahmen so zu setzen, dass mehr Tarifverträge zustande kommen", sagte Arbeitsminister Hubertus Heil. In mehreren Bundesländern gebe es schon entsprechende Regelungen, das müsse auch für den Bund gelten. "Das heißt, dass öffentliche Auftragsvergabe mit Steuermitteln nicht benutzt werden soll zur Tarifflucht, sondern zur Stärkung von Tarifbindung."

Hintergrund von Heils Äußerungen war eine Debatte über Zukunftsstrategien für den Arbeitsmarkt auf einer Klausur des SPD-Parteivorstands. Gegenstand der Beratungen war demnach auch die Forderung nach einem Rechtsanspruch auf Weiterbildung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Umfang von zwölf Tagen pro Jahr. Heil sprach sich zudem für einen "Rechtsanspruch auf Umschulung" aus, wenn etwa Arbeitsplätze durch neue technische Entwicklungen wegfallen. Zudem bekräftigte der Arbeitsminister die Forderung nach einem Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde. Darüber solle in diesem Jahr in der großen Koalition gesprochen werden. Auch sei laut Heil die Stärkung der Tarifbindung wichtig, um oberhalb des Mindestlohns eine bessere Bezahlung von Arbeitnehmern zu erreichen, beispielsweise im Pflegebereich.

Bei der Klausurtagung wurde auch über die Bundestagswahl 2021 debattiert. Diesmal wolle die Partei "professionell" vorgehen und "strategische Fragen schnell klären", sagte Generalsekretär Lars Klingbeil. Es sei wichtig, dass die SPD im Wahlkampf "erkennbar und unterscheidbar" sei. Die beiden Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans verwiesen darauf, dass der nächste Kanzlerkandidat der SPD nicht unbedingt eine Führungsposition in der Partei innehaben müsse. "Es muss nicht automatisch jemand sein, der schon dreimal Minister oder Ministerin war", sagte Esken der Bild am Sonntag. Eine eigene Kandidatur schließen weder sie noch Walter-Borjans aus.