Deutschland hat 2019 das vierte Jahr in Folge den weltweit größten Überschuss in der Leistungsbilanz erzielt. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf Berechnungen des Ifo-Instituts in München. Demnach betrug der Überschuss im vergangenen Jahr umgerechnet rund 293 Milliarden Dollar und entsprach damit 7,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Mit weitem Abstand folgen Japan (194 Milliarden Dollar) und China (183 Milliarden Dollar).

Laut des Ifo-Ökonoms Christian Grimme kommt dieser enorme Betrag vor allem deshalb zustande, weil weit mehr Waren ins Ausland verkauft als von dort bezogen werden. Dies überrascht auf den ersten Blick, litten die deutschen Ausfuhren doch lange unter schwacher Weltkonjunktur, Handelskonflikten und dem Brexit-Chaos. Dass Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte wieder deutlich mehr ins Ausland verkauft haben, liegt nach Angaben des Ökonoms an "kräftigeren Exporten in die USA aufgrund der vorangeschrittenen Euro-Abwertung sowie ausgeweiteten Ausfuhren in das Vereinigte Königreich, wo sich die Nachfrage wieder etwas erholte".

Auch die sogenannten Primäreinkommen – hinter denen vor allem Erträge aus im Ausland angelegten Vermögen stehen – legten weiter zu. Die dadurch erzielten Gewinne machten inzwischen 37 Prozent des deutschen Leistungsbilanzüberschusses aus, sagte Grimme. "Deutschland hat inzwischen ein sehr hohes Nettoauslandsvermögen", betonte er. "So werden hohe Nettoeinnahmen aus ausländischen Direktinvestitionen und Wertpapieranlagen erzielt."

Wegen dieser hohen Überschüsse sieht sich Deutschland seit Jahren internationaler Kritik ausgesetzt. Ob EU-Kommission, Internationaler Währungsfonds (IWF) oder US-Präsident Donald Trump – sie alle stören sich daran. Dabei entfällt das weltweit größte Defizit in der Leistungsbilanz laut Ifo auf die USA: In deren Bilanz steht ein Minus von 490 Milliarden Dollar. Auf den Plätzen danach folgen Großbritannien (117 Milliarden Dollar) und Brasilien (51 Milliarden Dollar).