Der Mindestlohn könnte im kommenden Jahr von 9,35 Euro auf 9,82 Euro steigen. Darauf deuten die Berechnungsgrundlagen hin, die der Mindestlohnkommission vorliegen. Diese schlägt alle zwei Jahre vor, inwieweit die Lohnuntergrenze angepasst werden soll, das nächste Mal spätestens am 30. Juni. Die Deutsche Presse-Agentur erfuhr von den Zahlen aus Kommissionskreisen. Zuvor hatte die Wirtschaftswoche darüber berichtet.

Eine maßgebliche Grundlage für die Entscheidung über die künftige Mindestlohnhöhe ist der sogenannte Tariflohnindex, der vom Statistischen Bundesamt berechnet wird. Er misst, wie sehr die tariflichen Löhne und Gehälter in den vergangenen beiden Jahren gestiegen sind. Derzeit zeigt er eine Steigerung von 5,7 Prozent an.

Die Basis für die Neuberechnung des Mindestlohns soll nun bei 9,29 Euro liegen, leicht unter seiner tatsächlichen aktuellen Höhe. Grund dafür ist, dass bei seiner jüngsten Anhebung ein späterer Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst schon berücksichtigt wurde, der nun wieder herausgerechnet werden soll. Erhöht man die 9,29 Euro um 5,7 Prozent, ergeben sich 9,82 Euro. 

Heil hält zwölf Euro "perspektivisch" für richtig

Dem Deutschen Gewerkschaftsbund reicht diese Erhöhung nicht. "Wir wollen einen armutsfesten Mindestlohn, der bei 60 Prozent des Medianeinkommens der Vollzeitbeschäftigten liegt", sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell, der selbst Mitglied der Kommission ist. Er fordert einen Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde, so wie andere Gewerkschafter und auch die SPD. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte im Tagesspiegel gesagt, er halte diese Höhe "perspektivisch" für richtig. Wissenschaftler seien mit der Evaluierung des Mindestlohngesetzes beauftragt, und im Sommer werde ausgewertet, ob der Mechanismus geändert werden müsse. "Dann können wir auch klären, in welchem Zeitraum zwölf Euro realistisch sind."

Die im Mindestlohngesetz festgelegte Gesamtabwägung spreche für eine höhere Anhebung, sagte DGB-Vorstand Körzell. Doch dafür gebe es in der Mindestlohnkommission keine Mehrheit. Nötig wäre eine Zweidrittelmehrheit. Die Gewerkschaft ver.di hatte bereits eine Änderung der Geschäftsordnung verlangt, laut Wirtschaftswoche ist auch die SPD für eine Änderung. Ziel sei, dass das Gremium bei seinen Mindestlohnempfehlungen bereits mit einfacher Mehrheit vom Lohnindex abweichen dürfe. Dann könnten die Arbeitgebervertreter überstimmt werden. In der Kommission sind Repräsentanten und Repräsentantinnen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Wirtschaftsforschung vertreten