Tesla will eine Autofabrik in ein Waldgebiet im brandenburgischen Grünheide bauen. Was viele bejubeln, lehnt Steffen Schorcht von der Bürgerinitiative gegen die Gigafactory ab. Zu den von der Initiative organisierten Waldspaziergängen kommen regelmäßig über hundert Leute, Schorcht will die Fabrik aber auch über Einsprüche in der laufenden Umweltverträglichkeitsprüfung stoppen. Zum Gespräch empfängt er in seinem Haus am Waldrand. Wenn man ihm sagt, dass er es schön habe hier, dann lächelt der 59-Jährige und sagt: "Die Frage ist, wie lang noch."

ZEIT ONLINE: Herr Schorcht, bis vor Kurzem haben Sie jeden Samstag gegen die Ansiedlung von Tesla in ihrer Nachbarschaft demonstriert, jetzt nicht mehr. Warum?

Steffen Schorcht: Weil eine Woche zuvor bei einem unserer Waldspaziergänge Vertreter der AfD und naher Organisationen aufgetaucht waren. Das haben wir erst später auf Fotos und Videos festgestellt. Wir hatten Sorge, dass bei der nächsten Demo noch mehr AfDler auftauchen. Uns wurde da von linker Seite schon vorgeworfen, wir seien AfD-nah. Dann hat auch noch einer der vorgesehenen Redner auf der Demo mich am Vorabend angerufen und abgesagt, weil er sich bedroht fühlte.

ZEIT ONLINE: Von wem?

Schorcht: In verschiedenen Medien und auch aus linken Kreisen gab es Vorwürfe der AfD-Nähe. Wir haben uns dann entschlossen, die Luft rauszunehmen, und ich habe die Demo am nächsten Tag frühzeitig beendet und mitgeteilt, die Demos und Waldspaziergänge vorerst auszusetzen. Wir sind politisch neutral und wollen niemandem eine Plattform geben, besonders nicht der AfD.

ZEIT ONLINE: Bedeutet politisch neutral nicht auch, dass jeder mitlaufen darf?

Steffen Schorcht von der Bürgerinitiative gegen die Gigafactory © Lenz Jacobsen für ZEIT ONLINE

Schorcht: Wir haben hier alle eine besondere Verantwortung und wollten ein Signal setzen, auch über das Thema und über Brandenburg hinaus. Hier wird der rechte Rand von Wahl zu Wahl stärker. Es ist das gute Recht auch von AfD-Sympathisanten zu unseren Waldspaziergängen zu kommen, wir haben dann ein gemeinsames Anliegen. Aber wir wollen keine Plattform für eine Partei sein, schon gar nicht für die AfD.

ZEIT ONLINE: Die Gigafactory von Tesla, gegen die Sie sich wehren, soll 8.000 Arbeitsplätze bringen, später vielleicht noch mehr. Die Landesregierung und auch viele Ihrer Nachbarn jubeln. Sie jubeln nicht. Warum?

Schorcht: Ich kann den Jubel schon nachvollziehen, das ist ja auch eine tolle Sache. Ein großes Unternehmen, dazu die Folgeansiedlungen, Dienstleister, Wohnungen. Aber ich kann nicht mitjubeln, denn die Produktionsstätte soll in ein Wasserschutzgebiet gebaut werden.

ZEIT ONLINE: Allerdings ist es bereits als Gewerbegebiet ausgewiesen, es gibt schon einen Bebauungsplan, weil BMW schon mal überlegt hatte, hier zu produzieren.

Schorcht: Aber Batterien mit ihren Giftstoffen spielten damals beispielsweise noch keine Rolle. Und als BMW dann doch nicht kam, sollte das Gelände wieder in das Schutzgebiet eingegliedert werden. Das ist aber nie passiert. Der BMW-Bebauungsplan gilt auch fast zwanzig Jahre später noch, auch wenn BMW nie gekommen ist. Das allein finde ich schon komisch.

ZEIT ONLINE: Welche Schäden fürchten Sie denn durch die Gigafactory?

Schorcht: Im Wasserschutzgebiet dürfen eigentlich keine Chemikalien verwendet werden. Das wird aber bei der Automontage der Fall sein. Das Gefährdungspotential ist sehr groß. Dazu kommt: In der gleichen Gegend haben Bauern sehr strenge Auflagen für ihre Tierhaltung, damit das Grundwasser sauber bleibt. Warum gilt das rund anderthalb Kilometer weiter für Tesla nicht? Das ist eine Ungleichbehandlung. Sehr problematisch ist die Versorgung mit Wasser und die Entsorgung des Abwassers. Die Kapazitäten fehlen.

ZEIT ONLINE: Sie glauben, dass für Tesla Sonderregeln gelten?