Ein Drogeriemarkt in Berlin: Dort, wo sich sonst grün-weiße Packungen stapeln, findet sich diesmal nur ein leeres Regal; davor ein Schild. "Leider sind aufgrund der aktuellen Situation keine Toilettenpapiere mehr verfügbar", steht darauf. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Warenverfügbarkeit wieder herzustellen." Wann Nachschub komme? Die Mitarbeiterin in weißer Schürze zuckt mit den Schultern. Vielleicht morgen, da komme die nächste Lieferung rein. Ob Toilettenpapier dabei sein werde, könne sie allerdings nicht sagen. "Und wenn, ist es auch gleich wieder weg", sagt sie. Dann muss sie zurück ins Lager.  

Erst gingen Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken aus, jetzt das Toilettenpapier. Die Auswirkungen der Corona-Krise sind in deutschen Lebensmittelmärkten und Drogerien deutlich spürbar. Zwischendurch war auch Milchpulver fast vergriffen. Schilder informierten Kunden allerdings, dass bestimmte Produkte auf Nachfrage erhältlich seien. Vielleicht, so die Hoffnung dahinter, könnte man die Hamsterkäufe ja rationieren.

Covid-19 - "Jeder Einzelne ist betroffen" Die Bundeskanzlerin hat dazu aufgerufen, Veranstaltungen "bis ins familiäre Umfeld" zu meiden. Solidarisches Verhalten entlaste das Gesundheitssystem. © Foto: Reuters TV

"Ausreichende Bestände"

Dabei kommen von den Branchenverbänden beruhigende Töne. Die Warenverfügbarkeit sei nicht eingeschränkt, teilt der Handelsverband Deutschland mit. Der Lebensmittelverband lässt wissen, die Zentrallager verfügen noch "über ausreichende Bestände". Und auch der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels versichert, Deutschland sei nicht von ernsthaften Lieferschwierigkeiten betroffen. Und tatsächlich: Toilettenpapier findet sich an diesem Tag nur ein paar Schritte weiter, im nächsten Supermarkt. 

Die Frage ist aber, wie lange das so bleibt. Italien hat sich abgeschottet. Die Produktion in China stand wochenlang still. Was bedeutet das für die Versorgung deutscher Läden? Und welchen Einfluss haben die Hamsterkäufe der Bevölkerung auf den Warenbestand?    

Christian Böttcher ist Sprecher des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels. Die Hamsterkäufe, sagt er, kämen in Wellen. Als Ende Februar die Zahl der Infizierten in Deutschland stieg – und die Medien entsprechend berichteten – habe das die Nachfrage nach bestimmten Produkten, vor allem Konserven, Nudeln und Wasser, deutlich erhöht. Danach sei sie wieder etwas abgeebbt.

Auch das Marktforschungsunternehmen GfK nennt die Woche vom 24. Februar den "Peak der Hamsterkäufe". Damals sei der Umsatz von Fisch- und Obstkonserven im Vergleich zur Vorwoche um 70 Prozent gestiegen, sagt GfK-Handelsexperte Robert Kecskes, der von Teigwaren um 73 Prozent, Suppen und Eintöpfe um 112 Prozent. Die Nachfrage nach Toilettenpapier sei ebenfalls gestiegen, wenn auch weniger deutlich.    

"Die Menschen kaufen mehr, um sich für den Fall einer Quarantäne vorzubereiten", sagt Kecskes. An Hamsterkäufe aus purer Angst, sonst nichts abzubekommen, glaube er allerdings nicht. "Die würde es nur geben, wenn die Regale dauerhaft leer bleiben würden. Aber das ist ja nicht der Fall."

Dass es bei bestimmten Produkten wie Toilettenpapier nun zeitweise zu leeren Regalen kommt, hat laut Christian Böttcher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels vor allem etwas mit der Lieferstruktur zu tun – also mit über Jahren etablierten Prozessen. "Lebensmittel werden in der Regel mehrmals die Woche gekauft", sagt er. "Danach ist die gesamte Struktur ausgelegt. Das heißt: Die Waren werden in kürzeren Abständen geliefert." Hygieneartikel wie Toilettenpapier hingegen würden im Normalfall deutlich seltener nachgekauft – und damit auch seltener geliefert. Ändert sich das Einkaufsverhalten so schlagartig wie im Moment, bedeute das eine große Herausforderung für die Logistik. Das wirble das System erst einmal durcheinander. 

Wirkliche Versorgungsprobleme, das sagt Böttcher aber auch, seien derzeit nicht zu befürchten. In der Regel befänden sich die Waren bereits in Deutschland. Doch sie müssen von A nach B, vom Lager in die Filialen – und genau an dieser Stelle sehen manche ein Problem.