Simone Burel aus Mannheim musste in dieser Woche gleich mehrere Absagen von Veranstaltungen hinnehmen. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin einer Unternehmensberatung, die sich auf Linguistik spezialisiert hat, und arbeitet als Trainerin und Rednerin. Gebucht wird sie auch von Bildungseinrichtungen und Kommunen. Zwei Messevorträge, ein Workshop, eine Rede – alles lukrative Aufträge – wurden in den vergangenen Stunden storniert. 

Wegen der Schutzmaßnahmen, die ein weiteres Ausbreiten des Coronavirus verhindern sollen, kommt das öffentliche Leben in Deutschland zunehmend zum Stillstand. Großveranstaltungen sind bereits untersagt und auch immer mehr kleinere Veranstaltungen finden nicht statt. Theater und Museen schließen ebenso wie viele Schulen und Hochschulen. Doch während für Unternehmen und Beschäftigte Hilfen unter anderem durch die erleichterten Zugangsregeln für das Kurzarbeitergeld greifen, sind Selbständige und vor allem Soloselbständige auf sich allein gestellt. Hinzu kommt: Im Fall einer Pandemie wie jetzt greifen viele Stornobedingungen nicht.

Simone Burel geht davon aus, dass in den kommenden Wochen und Monaten weitere Veranstaltungen abgesagt werden, für die sie gebucht wurde. Für die 33-Jährige würde das bedeuten, dass auch mögliche Folgeaufträge ausblieben. Zwar seien die Stornierungen derzeit noch nicht existenzgefährdend, sie könnten es aber werden, wenn die Krise anhalte, sagt Burel. Im April wollte sie eigentlich eine Assistenz einstellen – darauf verzichtet sie nun erst einmal.

Jede Stornierung verstärkt den Druck

Anderen Selbständigen in der Beratungs-, Medien- und Bildungsbranche geht es ähnlich, wie ein Aufruf in dem Netzwerk Digital Media Women zeigt. Viele Mitglieder berichten, dass Kunden derzeit absagen, aber auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr verweisen. Einige Aufträge wie etwa Messevorträge, die Burel erhalten hat, werden hingegen in diesem Jahr nicht nachgeholt, weil die Veranstaltungen ganz ausfallen. Selbst wenn ein neuer Termin ausgemacht wird, ist unklar, wie sich die Lage weiter entwickeln wird.

Burel hat wie viele Selbständige Verständnis für die Absagen. Doch mit jeder weiteren Stornierung nimmt der wirtschaftliche Druck zu. Wann wieder Veranstaltungen stattfinden können, kann derzeit niemand seriös sagen. Im schlimmsten Fall wird es über Monate Einschränkungen der Bewegungsfreiheit aufgrund von Quarantänebestimmungen und Schutzmaßnahmen geben. Burel und ihr Team denken deshalb darüber nach, wie sie ihre Angebote und Dienstleistungen schnellstmöglich digitalisieren können. Die größte Hürde sei derzeit, dass nicht überall in Deutschland schnelles Internet verfügbar sei, sagt die Unternehmensberaterin.

Andere, die nicht so leicht ins Digitale fliehen können, sind von den Einschränkungen noch schwerwiegender betroffen. Schauspielerinnen und Schauspieler oder Tänzerinnen und Tänzer etwa verdienen ohnehin meist wenig Geld und kennen vielfach prekäre Beschäftigung. Wenn Bühnen über lange Zeit geschlossen bleiben und Engagements und Produktionen abgesagt werden, kann das schnell ihre Existenz gefährden.