Wer zahlt für das Konjunkturpaket der Bundesregierung? Jedenfalls nicht die junge Generation als Ganzes, sagen die beiden Ökonomen Adalbert Winkler und Holger Sandte. In ihrem Gastbeitrag erklären sie, warum.
Das Konjunkturpaket der Bundesregierung ist überwiegend positiv aufgenommen worden. Bei einem Blick durch die Medien scheint es dennoch einen klaren Verlierer des Konjunkturpakets zu geben: die junge Generation. Es heißt, sie müsse die Schulden zurückzahlen, die der Staat jetzt aufnimmt. Doch das ist ökonomischer Unfug. Die junge Generation als Ganzes wird durch die höhere Staatsverschuldung gar nicht belastet.
Eines stimmt zwar: Der Staat verschuldet sich jetzt und Schulden müssen bedient und zurückgezahlt werden, das weiß jeder. Klar ist auch: Wenn das in der Zukunft geschieht, dann zahlen Angehörige der heute jungen, künftig alten Generation die Schulden zurück. Aber an wen? Genau: an Angehörige der gleichen Generation, denn eine andere Möglichkeit gibt es nicht.
Man kann das an den Schulden demonstrieren, die die
Regierungen Schmidt und Kohl in den Siebziger- und Achtzigerjahren aufgenommen haben. Zu einem Teil wurden sie in den vergangenen Jahren abgetragen. Das heißt, die heutige Generation hat sie zurückgezahlt – und zwar an Angehörige der gleichen Generation. Denn sie erbten die
Forderungen an die Bundesrepublik Deutschland, die ihre Eltern damals in Form von Bundesanleihen erwarben.
Kein Transfer zwischen den Generationen
Die Schulden, die damals aufgenommen wurden, haben also zu
einer Umverteilung innerhalb der damals jungen und heute alten Generation geführt. Die Steuerzahlenden von heute haben an die heutigen Besitzerinnen und Besitzer von Bundesanleihen gezahlt. Ein Transfer zwischen den Generationen fand
nicht statt. Er kann auch gar nicht stattfinden, denn die Steuern werden immer von eben der Generation gezahlt, die auch Staatsschuldtitel besitzt.
Deshalb lässt sich eine Belastung der heutigen Jugend durch heute aufgenommene Schulden nur dann feststellen, wenn man sie von vornherein in zwei Gruppen unterteilt: jene, die in Zukunft Steuern zahlen, und jene, die in Zukunft Staatsschuldtitel halten, weil sie sie von
ihren Eltern erben. Dann stimmt zweifellos: Die Steuerzahlenden von
morgen zahlen an die Erbinnen und Erben der Staatsschuldtitel; die heutigen Steuerzahler werden geschont. Nicht richtig ist es
aber, von einer Belastung der zukünftigen Generation insgesamt zu sprechen.
Geldflüsse ins Ausland
Zudem ist bekannt, dass ein großer Teil der Staatsschulden von Vermögenden gehalten wird. Doch sie bestreiten auch einen großen Teil des Steueraufkommens. Deshalb ist die Verteilungswirkung einer Ausweitung der Staatsschulden begrenzt.
Es gibt auch viele ausländische Investoren, beispielsweise
Zentralbanken, die gern deutsche Staatsschuldtitel erwerben, weil sie als
besonders sicher gelten. Das bedeutet natürlich, dass in
der Zukunft Menschen, die in Deutschland ihr Geld verdienen und daraus Steuern
zahlen, netto belastet werden – eben um die Summen, die zur Tilgung der Schulden ins Ausland fließen.
Eine Schuldenkrise wie beispielsweise in Griechenland muss Deutschland dennoch nicht fürchten. Deutsche Anlegerinnen und Anleger halten weit mehr Forderungen an ausländische Schuldner als umgekehrt. Volkswirtschaftlich gesprochen liegt das daran, dass Deutschland in den vergangenen Jahren und
Jahrzehnten stetig mehr exportiert als importiert hat. Die nun steigende Staatsverschuldung ändert an der deutschen Nettogläubigerposition zunächst gar
nichts, auch wenn überwiegend ausländische Investoren die Staatsschuldtitel erwerben sollten. Nur
wenn wir als Folge der durch die steigende Verschuldung ausgelösten zusätzlichen Nachfrage
verstärkt importieren würden, nähmen unsere Nettoforderungen an den Rest der Welt langsam ab.
Die Schulden der einen
Zusammenfassend heißt das: Die junge Generation in Deutschland wird durch das Konjunkturpaket insgesamt nicht belastet. Vielmehr kann sie jene Belastungen vermeiden, die in einer noch tieferen Rezession entstünden, wenn der Stabilisierungsversuch über höhere Schulden bei ultraniedrigen Zinsen nicht unternommen würde.
Die Schulden
des Staates sind die Vermögen der Haushalte und Unternehmen. Beides wird
vererbt, nicht nur die Schulden. Es gibt daher keinen Grund für die Jungen,
der Zukunft wegen des Konjunkturpakets gedrückt entgegenzusehen.
Dennoch kann der erhebliche
Anstieg der Staatsverschuldung, wie wir ihn gegenwärtig erleben, zu einem Problem werden. Steigende Zinsen, Inflation,
ein Zurückdrängen privater Investitionen und privaten Konsums, steigende
Leistungsbilanzdefizite würden dies anzeigen. Dann wäre es notwendig, gegenzusteuern.
Klar ist aber,
dass davon in Deutschland derzeit nichts zu sehen ist. Wenn man also die
richtigen Kriterien anwendet, lassen sich Probleme der Staatsverschuldung gut
erkennen. Die vermeintliche Belastung der jungen Generation als Ganzes gehört nicht dazu.