Der US-Autohersteller Tesla hat auf der Baustelle seiner neuen Gigafactory im brandenburgischen Grünheide mehrere Wochen lang ohne Baugenehmigung Abwasserrohre verlegt. Das berichten das ZDF-Magazin Frontal21 und der Business Insider unter Berufung auf das Brandenburger Umweltministerium.

Demnach stießen die Behörden bei einer Routinekontrolle am 25. März auf die Baugräben. Das Ministerium verhängte daraufhin einen Baustopp gegen Tesla, der rund zwei Wochen andauerte. Mitte April wurde dann die Zulassung für den vorzeitigen Beginn der Arbeiten erteilt, heißt es demnach aus dem Ministerium. Man prüfe aktuell die Einleitung eines Bußgeldverfahrens gegen Tesla.

Die Brandenburger Behörden sind seit November 2019 mit Tesla befasst. Damals kündigte das Unternehmen von Elon Musk an, eine neue Fabrik in Grünheide bauen zu wollen. Seitdem gab es viel Streit, auch mit Umweltschutzorganisationen. Dies gilt auch für den Fall der zunächst illegal verlegten Abwasserrohre, die Industriegewässer mitten durch ein Trinkwasserschutzgebiet ableiten sollen.

Thorsten Deppner vertritt als Anwalt den Umweltverband Grüne Liga in Brandenburg und spricht gegenüber Frontal21 und dem Business Insider von einem enormen Vertrauensverlust. "Das zerstört eine Vertrauensbasis, von der ich jedenfalls annahm, dass sie da ist, zumindest zwischen der Genehmigungsbehörde und Tesla", sagte er und nannte als wichtigste Voraussetzung dafür: "Dass man sich sozusagen auf gegenseitige Zusagen verlassen kann."

Tesla reagierte nicht auf eine Anfrage von Frontal21 und dem Business Insider. Im aktuellen Geschäftsbericht heißt es zum gesamten Projekt, man sei auf Kurs, könne im späten Jahresverlauf 2021 mit Produktion und Auslieferungen beginnen. Allerdings steht die abschließende umweltrechtliche Genehmigung für das Werk durch das Land Brandenburg immer noch aus.

Derweil verkündet das Unternehmen seinen bislang höchsten Quartalsgewinn. In den drei Monaten bis Ende März verdiente Tesla 438 Millionen Dollar (362 Mio Euro). Ein wichtiger Faktor war dabei der Handel mit Abgaszertifikaten, die andere Autohersteller benötigen, um ihre Emissionsbilanz aufzubessern und so gesetzliche Vorgaben etwa in Kalifornien oder Europa zu erfüllen. Im ersten Quartal setzte Tesla damit 518 Millionen Dollar um. Außerdem profitierte die Bilanz von einer Investition in die Kryptowährung Bitcoin. Tesla hatte sich für 1,5 Milliarden Dollar mit Bitcoins eingedeckt, dann rund 300 Millionen wieder verkauft und daran gut 100 Millionen verdient.