Soziale Ungleichheiten haben sich einem Bericht der Organisation Oxfam zufolge in der Corona-Pandemie noch verstärkt. Während sich das Vermögen der zehn reichsten Milliardäre verdoppelt habe, lebten mehr als 160 Millionen Menschen zusätzlich in Armut, heißt es in dem Bericht. Das Vermögen der zehn Reichsten der Welt sei von 700 Milliarden Dollar (613 Milliarden Euro) auf 1,5 Billionen Dollar angestiegen, was einem Durchschnittszuwachs von 1,3 Milliarden Dollar pro Tag entspreche. Demnach stieg das Vermögen der Milliardäre während der Pandemie stärker als in den gesamten 14 Jahren zuvor. Die Entwicklungsorganisation veröffentlichte ihren Bericht kurz vor Beginn der digitalen Konferenz des Weltwirtschaftsforums.
Oxfam forderte von den Regierungen weltweit Steuerreformen, um damit die weltweite Impfstoffproduktion sowie die Gesundheitsversorgung im Kampf gegen die Pandemie zu finanzieren. Mittlerweile seien über drei Milliarden Menschen zweifach gegen Covid-19 geimpft, doch nur rund neun Prozent der Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen hätten mindestens eine Impfdosis erhalten. "Millionen Menschen, die hätten gerettet werden können, sind wegen der ungerechten Impfstoffverteilung an der Pandemie und ihren Folgen gestorben", heißt es in dem Bericht. Außerdem könnten mit den Steuereinnahmen die globale Anpassung an den Klimawandel und der Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt angeschoben werden.
Soziale Ungleichheit verschärft sich
"Für Milliardäre gleicht die Pandemie einem Goldrausch. Regierungen haben Milliarden in die Wirtschaft gepumpt, doch ein Großteil ist bei Menschen hängen geblieben, die von steigenden Aktienkursen besonders profitieren", sagte Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland. "Während ihr Vermögen so schnell wächst wie nie zuvor und einige Ausflüge ins All unternehmen, hat die weltweite Armut drastisch zugenommen."
Auch in Deutschland habe die Konzentration der Vermögen weiter zugenommen. Von der Bundesregierung forderte Oxfam Deutschland, Konzerne und sehr Vermögende stärker in die Verantwortung zu nehmen. So müsse die Vermögensteuer wieder eingeführt werden, zudem sei eine einmalige Abgabe auf sehr hohe Vermögen nötig. Der Patentschutz für Covid-19-Impfstoffe müsse ausgesetzt werden.
Die Jahreskonferenz des Weltwirtschaftsforums in Davos war wegen der Corona-Lage verschoben worden. Stattdessen bringt die Stiftung diese Woche digital Spitzenpolitiker zusammen. Bundeskanzler Olaf Scholz will am Mittwoch eine Rede halten.
Die Entwicklungsorganisation Oxfam versucht, Menschen weltweit zu mobilisieren, um Armut aus eigener Kraft zu überwinden. Dafür arbeiten 21 Oxfam-Organisationen mit etwa 4.100 lokalen Partnern in 90 Ländern. Für ihren Bericht stützte sich die Gruppe nach eigenen Angaben auf aktuelle umfassende Datenquellen und verwendete die Liste der Milliardäre 2021 des US-Wirtschaftsmagazins Forbes. Diese Liste wird von Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk sowie Amazon-Gründer Jeff Bezos angeführt. Ebenfalls vertreten sind die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, die ehemaligen Microsoft-Chefs Bill Gates und Steve Ballmer, der ehemalige Oracle-Chef Larry Ellison, der US-Investor Warren Buffett und der Chef des französischen Luxuskonzerns LVMH, Bernard Arnault.
Kritik an Oxfam-Bericht
Bereits in der Vergangenheit kritisierten Wirtschaftsexperten, die Oxfam-Studie basiere im Wesentlichen auf dem Global Wealth Report der Bank
Credit Suisse und stelle einen linearen Anstieg der
Vermögensungleichheit fest, obwohl für viele Länder keine oder nur
veraltete Daten vorlägen. Auch bei diesem Report sei erneut keine eigene Methodik zu erkennen, kritisiert Professor Andreas Peichl, Leiter des Ifo-Zentrums für Makroökonomik und Befragungen, gegenüber ZEIT ONLINE. Stattdessen würden diverse Reports von Dritten zitiert. Damit wolle Oxfam sich selbst vermutlich weniger angreifbar machen. Andere Aussagen zu den Einkommensveränderungen stammten von der Weltbank, seien aber missverständlich formuliert. "Die Aussagen zu den Vermögensänderungen der reichsten zehn Menschen stimmen vermutlich, sind aber trivial", sagte Peichl.
"Letztendlich hat Oxfam darauf verzichtet, selbst etwas herauszufinden, sondern stellt einfach Ergebnisse anderer Studien in den politisch gewünschten Zusammenhang. Von daher kann man diesmal methodisch kaum etwas kritisieren, weil Oxfam methodisch eigentlich nichts selbst macht." Es würden selektiv Studien, Daten und Ergebnisse so zitiert, dass die politisch erwünschte Botschaft transportiert würde, sagte Peichl. "Viele der Aussagen sind jedoch vermutlich gar nicht mal falsch – man müsste sie halt nicht so tendenziös vortragen, sondern besser wissenschaftlich sauber und seriös präsentieren. Aber das bringt vermutlich weniger Schlagzeilen."
Soziale Ungleichheiten haben sich einem Bericht der Organisation Oxfam zufolge in der Corona-Pandemie noch verstärkt. Während sich das Vermögen der zehn reichsten Milliardäre verdoppelt habe, lebten mehr als 160 Millionen Menschen zusätzlich in Armut, heißt es in dem Bericht. Das Vermögen der zehn Reichsten der Welt sei von 700 Milliarden Dollar (613 Milliarden Euro) auf 1,5 Billionen Dollar angestiegen, was einem Durchschnittszuwachs von 1,3 Milliarden Dollar pro Tag entspreche. Demnach stieg das Vermögen der Milliardäre während der Pandemie stärker als in den gesamten 14 Jahren zuvor. Die Entwicklungsorganisation veröffentlichte ihren Bericht kurz vor Beginn der digitalen Konferenz des Weltwirtschaftsforums.