Seit Jahren verdächtigten Anwohnerinnen und Anwohner des Izabal-Sees im Osten von Guatemala eine Nickelmine, die Umwelt zu schädigen und mit fragwürdigen Praktiken die Rechte und Interessen der indigenen Bevölkerung zu beschneiden. Stets hat die Betreiberfirma, das Schweizer Unternehmen Solway, diese Vorwürfe bestritten. Nun zeigt ein riesiges Datenleak: Die Kritiker der Mine könnten recht gehabt haben.
Dieses Datenleak stammt aus einem Hack der Server von Solway. Wer die Hacker sind und wann genau sie in die Server eindrangen, ist unklar. Aber zwei Terabyte erbeuteter Daten wurden im Frühling 2021 dem Journalistenkonsortium Forbidden Stories zugespielt. Zwanzig Medien aus 15 Ländern, darunter die ZEIT und ZEIT Online sowie die Süddeutsche Zeitung und der WDR, haben diese Daten über ein halbes Jahr lang ausgewertet. Darin finden sich Hinweise auf Bestechungsgelder, auf kriminelle Pläne zur Verdrängung indigener Dorfbewohner und auf mögliche Umweltschädigungen. Damit konfrontiert, bestritt ein Sprecher des Unternehmens die Vorwürfe. Das Unternehmen arbeite im Einklang mit den geltenden Gesetzen und internationalen Richtlinien.
Die Firma Solway gehört einer russisch-estnischen Milliardärsfamilie und baut seit 2014 in dem Ort El Estor in Guatemala Nickel ab. Noch vor Ort wird das Nickel mit Eisen zu Ferronickel verarbeitet – und dann unter anderem nach Europa geliefert, wo es für rostfreien Stahl verwendet wird. Kunden von Solway sind unter anderem das finnische Stahlunternehmen Outokumpu, das wiederum an Ikea und Bosch liefert. Auch der französische Stahlproduzent Ugitech kauft Ferronickel bei Solway. Rostfreier Stahl findet sich zum Beispiel in Hüftprothesen und Geschirrspülmaschinen, Flugzeugfahrwerken und Besteck.
Immer wieder stand die Mine am Izabal-See in den letzten Jahren im Zentrum von Kontroversen. Im Juli 2019 entschied ein Gericht, dass die Betreiberfirma den Nickelabbau stoppen müsse. Solway habe die lokale Bevölkerung zu wenig einbezogen. Um weiterzumachen, musste das Unternehmen sich mit Indigenenvertretern einigen, in einem gesetzlich vorgeschriebenen Konsultationsprozess. Diskutiert werden sollten zum Beispiel soziale Fragen sowie die Umweltbilanz der Mine.
Überweisungen an Indigene
Aus den internen Dokumenten, die der ZEIT und den Partnern von Forbidden Stories vorliegen, geht nun hervor, mit welchen Mitteln offenbar versucht wurde, diesen Prozess zu manipulieren: Kontoauszügen zufolge überwies eine unternehmensnahe Stiftung namens Raxché regelmäßig Geld an Teilnehmer der Konsultationen. Demnach erhielt etwa ein Indigenenrat zwischen Oktober 2020 und Januar 2021 monatlich umgerechnet etwa 5.000 US-Dollar. Vier Mitglieder des Rats erhielten zudem direkte finanzielle Unterstützung. Später stimmte dieser Rat dafür, dass die Mine wieder Nickel abbauen darf.
Um Profitinteressen durchzusetzen, wendete das Unternehmen offenbar auch Druck an. So verfolgten Angestellte etwa zwischenzeitlich das Ziel, die Bewohnerinnen und Bewohner einer kleinen indigenen Gemeinde namens Las Nubes umzusiedeln, wie aus einem Bericht von September 2019 hervorgeht. Las Nubes liegt auf einem Areal, in dem Solway Nickel abbauen wollte. Ein Sprecher der Solway-Gruppe bestritt im Interview mit Partnern der ZEIT, dass die Firma die Bewohnerinnen und Bewohner von Las Nubes jemals verdrängen wollte.
Um die Bewohnerinnen und Bewohner von der Umsiedlung zu überzeugen, wurde ausweislich eines 2021 verfassten Dokuments jedoch geplant, dem Sohn eines Gemeindeleiters einen neuen Arbeitsplatz und einem anderen eine neue Kettensäge zu beschaffen. Ein anderes Dokument gibt Hinweise darauf, dass "fiktive Arbeitsplätze" geschaffen und mit "künstlichen Gehältern" bezahlt werden sollten. Nach diesen Methoden gefragt, schrieb der Verwaltungsdirektor der Mine, diese Informationen entsprächen nicht der Realität.
Seit Jahren verdächtigten Anwohnerinnen und Anwohner des Izabal-Sees im Osten von Guatemala eine Nickelmine, die Umwelt zu schädigen und mit fragwürdigen Praktiken die Rechte und Interessen der indigenen Bevölkerung zu beschneiden. Stets hat die Betreiberfirma, das Schweizer Unternehmen Solway, diese Vorwürfe bestritten. Nun zeigt ein riesiges Datenleak: Die Kritiker der Mine könnten recht gehabt haben.
Dieses Datenleak stammt aus einem Hack der Server von Solway. Wer die Hacker sind und wann genau sie in die Server eindrangen, ist unklar. Aber zwei Terabyte erbeuteter Daten wurden im Frühling 2021 dem Journalistenkonsortium Forbidden Stories zugespielt. Zwanzig Medien aus 15 Ländern, darunter die ZEIT und ZEIT Online sowie die Süddeutsche Zeitung und der WDR, haben diese Daten über ein halbes Jahr lang ausgewertet. Darin finden sich Hinweise auf Bestechungsgelder, auf kriminelle Pläne zur Verdrängung indigener Dorfbewohner und auf mögliche Umweltschädigungen. Damit konfrontiert, bestritt ein Sprecher des Unternehmens die Vorwürfe. Das Unternehmen arbeite im Einklang mit den geltenden Gesetzen und internationalen Richtlinien.