Die US-Notenbank steht vor einer weiteren deutlichen Erhöhung des Leitzinses in den USA. Die Entscheidung zum weiteren Kurs der Geldpolitik der Federal Reserve (Fed) wird an diesem Mittwoch (ab 19.00 Uhr MEZ) erwartet. Angesichts der auch in den USA immer noch hohen Inflation gehen Experten davon aus, dass die Fed – wie schon in den Vormonaten – den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf eine Spanne von dann 3,75 bis 4,00 Prozent erhöhen wird.

Es wäre die vierte Anhebung um 0,75 Prozentpunkte in Folge und die sechste Zinserhöhung in diesem Jahr. Gewöhnlich zieht es die Fed vor, den Leitzins in Schritten von 0,25 Prozentpunkten anzuheben.

Dabei ist der Druck auf die Notenbank groß. Daten aus dem Oktober zufolge geht die Teuerungsrate nur leicht zurück. Gegenüber dem Vorjahresmonat stiegen die Verbraucherpreise im September um 8,2 Prozent. Die Kerninflation, die die schwankenden Energie- und Lebensmittelpreise außen vor lässt, stieg sogar von 6,3 auf 6,6 Prozent. Beide Werte lagen über den Erwartungen des Marktes und zwingen die Notenbank zum Handeln.

Inflation belastet Demokraten vor Zwischenwahlen

Mit Blick auf die wichtigen Zwischenwahlen am 8. November sind die hohen Verbraucherpreise auch eine enorme Belastung für US-Präsident Joe Biden und seine Demokraten. Bei den Wahlen in der kommenden Woche könnten sie ihre ohnehin schon knappe Mehrheit im US-Kongress verlieren.

Umfragen zeigen, dass das Thema Inflation die Menschen im Land besonders beschäftigt. Den Befragungen nach sehen viele Wählerinnen und Wähler die Republikaner bei der Wirtschaftskompetenz vorn. Diese prangern im Wahlkampf die hohe Inflation an, für die sie die Demokraten verantwortlich machen, während sie auch eine Folge des russischen Angriffskrieges ist.

Gleichzeitig wächst mit der strengen Geldpolitik das Risiko, dass die Zentralbank die Wirtschaft bald so stark ausbremst, dass Arbeitsmarkt und Konjunktur darunter leiden. Denn steigen die Zinsen, müssen Bürgerinnen und Wirtschaft mehr Geld für Kredite ausgeben – oder sie leihen sich weniger Geld. Das Wachstum nimmt folglich ab, Unternehmen können höhere Preise nicht mehr einfach weitergeben und idealerweise sinkt die Inflation. Einige fürchten allerdings, dass es die Fed übertreibt – und die größte Volkswirtschaft der Welt in eine Rezession steuert.

Arbeitsmarkt und Wirtschaft bislang stabil

Die US-Notenbank hat den soliden Arbeitsmarkt bisher als Argument gegen das Abgleiten der Wirtschaft in eine tiefe Rezession angeführt. Viele Unternehmen klagen über einen Mangel an Arbeitskräften. Die US-Wirtschaft ist im Sommer außerdem etwas schneller als erwartet gewachsen. US-Präsident Biden wertete dies als einen Beleg für die fortschreitende wirtschaftliche Erholung der USA und die Widerstandsfähigkeit der Menschen im Land. Die US-Wirtschaft war im ersten Halbjahr noch geschrumpft.

Es ist nun die vorletzte Sitzung der Fed in diesem Jahr, die letzte steht im Dezember an. Einige Beobachter schließen auch nicht aus, dass die Fed dieses Mal nur eine Zinserhöhung von einem halben Punkt vornehmen wird. Ein solcher Schritt würde wohl eine Abkehr von der aggressiven Zinspolitik der Fed bedeuten. Expertinnen halten dies aber für eher unwahrscheinlich – ebenso wie eine Anhebung des Leitzinses um einen ganzen Prozentpunkt.