Die Nato hat mit einem deutschen und einem französischen Hersteller einen Rüstungsdeal im Umfang von 1,1 Milliarden Euro geschlossen. Die Firmen Junghans Microtec aus Baden-Württemberg und der französische Rüstungskonzern Nexter sollen dabei 155-Millimeter-Artilleriegranaten liefern, kündigte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg an. Die Verträge mit den Herstellern wurden von der Nato-Beschaffungsagentur NSPA unterzeichnet.

Hintergrund der Bestellung ist die Unterstützung westlicher Länder für die Ukraine in deren Abwehrkampf gegen Russland. Es sei "wichtig, dass unsere Verbündeten ihre eigenen Bestände auffüllen, während wir die Ukraine weiter unterstützen", sagte Stoltenberg. Nach Nato-Angaben sollen die beiden Firmen rund 220.000 Geschosse liefern, die ersten davon werden Ende 2025 erwartet. 

Die westlichen Unterstützerstaaten der Ukraine haben dem Land seit Kriegsbeginn Millionen 155-Millimeter-Granaten geliefert. Allein die USA unterstützten die ukrainische Armee mit zwei Millionen solcher Geschosse. Die EU plant die gemeinsame Lieferung einer Million Geschosse bis zu diesem Frühjahr, wobei unklar ist, ob das Ziel erreicht werden kann. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ging im November davon aus, dass die Lieferzusage wegen geringen Beständen und fehlenden Produktionskapazitäten verfehlt wird.

Nato bestellte 1.000 Flugabwehrraketen

Stoltenberg sagte zum Vertragsabschluss, Beschaffungsprojekte wie dieses stellten sicher, dass die Bündnisstaaten über die richtige Munition verfügten. Die georderten Geschosse können in Artilleriesystemen wie der deutschen Panzerhaubitze 2000 und dem französischen Typ Caesar verwendet werden. Die NSPA handelte den Vertrag nach eigenen Angaben auf Initiative von drei Bündnisstaaten aus. Da insgesamt neun Nato-Länder die Panzerhaubitze 2000 und Caesar nutzen, erwartet die Beschaffungsagentur aber eine breite Nutzung der zugrunde liegenden Vereinbarungen. 

Seit sich die Nato im vergangenen Juli auf einen Aktionsplan zur Erhöhung der Rüstungsproduktion geeinigt hat, schloss die NSPA Verträge im Wert von rund 10 Milliarden Dollar (9,2 Milliarden Euro). Zuletzt hatte sie einen Vertrag über den Kauf von bis zu 1.000 Flugabwehrraketen für das Patriot-Luftverteidigungssystem im Wert von 5,5 Milliarden Dollar (fünf Milliarden Euro) angekündigt. Herstellen soll sie das deutsche Unternehmen Comlog, bei dem neben den Raketen auch Ersatzteile und Testsysteme bestellt wurden.