Auch die Republik Jemen hat Armutsbekämpfung zum Hauptziel ihrer Entwicklungspolitik erklärt. Ein Fünftel der Bevölkerung fällt unter die absolute Armutsgrenze, hat nicht einmal genug zu essen. Die Regierung setzt den Hebel vor allem bei der Grundschulerziehung und bei der Gesundheit an. Beide Sektoren werden seit einigen Jahren von der Deutschen Regierung unterstützt.Die GTZ berät das jemenitische Gesundheitsministerium bei dem Versuch, einen Teufelskreis zu sprengen: Wer krank ist, kann nicht arbeiten, hat im Gegenteil hohe Ausgaben. Das Einkommen in den betroffenen Familien sinkt, die Armut wird größer. Und in armen Familien gibt es mehr Kinder und mehr Krankheit.Dieser Teufelskreis soll gleichzeitig an drei Stellen unterbrochen werden: Die Krankheitshäufigkeit soll verringert werden, im Krankheitsfall soll die Familie vor hohen Kosten geschützt sein. Zudem will der Gesundheitssektor dazu beitragen, das Einkommen armer Familien zu erhöhen. In zehn Distrikten mit einer Bevölkerung von rund einer halben Millionen Menschen läuft dazu ein systematischer Versuch.Ein bedeutendes Ziel ist es, die Wege zu den Gesundheitsstützpunkten zu verkürzen. Das erspart Kosten für den Weg zur Behandlung, der im Jemen so teuer ist wie die Behandlung selbst. Wie in vielen anderen Ländern haben Studien im Jemen gezeigt, dass plötzliche hohe Ausgaben für Krankheitsbehandlung der häufigste Grund für rapide Verarmung bis hin zum Landverlust sind.Die Strategie ist folgende: Gerade die kleineren Gesundheitsstationen nahe den entlegenden Dörfern werden besser ausgestattet, das Personal besser ausgebildet.Geringe Gebühren für die Behandlung ermöglichen den Gesundheitsstationen Einnahmen, die sie wiederum zur Verbesserung ihrer Dienste einsetzen können. Dabei ist die Behandlung immer noch bis zu siebenmal günstiger als wenn die Bevölkerung wie bisher allein auf private Gesundheitsversorger angewiesen ist.Vorbeugemaßnahmen begrenzen sich nicht auf die klassische Gesundheitserziehung im Gesundheitszentrum, sondern werden in das Dorfleben integriert. Die Projektmitarbeiter unterstützen jedes Dorf in einem ersten Schritt bei der Selbstanalyse. Freiwillige des Dorfes werden zu Gesundheitsberatern ausgebildet. Sie beobachten das Verhalten ihrer Nachbarn und beseitigen gesundheitsgefährdende Zustände, beispielsweise eine verunreinigte Wasserquelle. Hierdurch können bis zu 50 Prozent aller Erkrankungen verhindert werden.Neben diesen Maßnahmen ist die beste Vorbeugung vor Krankheit immer noch die Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen und des Einkommens. Die Strategie eines ganzheitlichen Entwicklungsansatzes wurde bereits 1978 von 152 Ländern in Alma Ata unterschrieben. Der Gesundheitssektor nimmt hierbei eine bedeutende Stellung ein. Er ist unpolitisch, erreicht mit seinen Gesundheitsstationen auch entlegende Dörfer und genießt meistenteils das Vertrauen der Bevölkerung. Im Jemen bildet die GTZ ehrenamtliche Teams aus, die wiederum die Dorfgemeinschaften in ländlichen Distrikten zur Selbsthilfe vorbereiten. Diese Teams geben technischen Rat für einkommensschaffende Maßnahmen und stellen Verbindungen zu Kreditgebern her. Die Erfahrung zeigt: Das Engagement des Gesundheitspersonals für die wirtschaftliche Entwicklung in den Dörfern führt bei der ländlichen Bevölkerung zu mehr Glaubwürdigkeit auch in Gesundheitsfragen.