Die deutsche Wirtschaft blickt zunehmend pessimistisch in die Zukunft. Eine Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ergab, dass 27 Prozent der international aktiven deutschen Unternehmen eine Verschlechterung der Konjunktur erwarten. Als Hauptgrund nannten die Unternehmensvertreter eine sich abkühlende Weltwirtschaft sowie globale Handelskonflikte insbesondere zwischen den USA und China.

Aber nicht alle exportierenden deutschen Firmen sind davon betroffen. Immerhin noch jede Vierte (24 Prozent) erwartet, dass sich die Lage bald wieder entspannen und verbessern könnte. Die überwiegende Mehrheit geht davon aus, dass es beim Status Quo zunächst bleiben wird.  

Der sogenannte Erwartungssaldo aus Besser- und Schlechter-Bewertungen erreichte damit erstmals seit Beginn der DIHK-Befragung einen negativen Wert. Für die Umfrage wurden mehr als 4.500 Mitgliedsfirmen der deutschen Außenhandelskammern befragt.

Besonders spürbar ist ein Rückgang bei der Nachfrage vor allen bei den Maschinen- und Autoherstellern, allerdings sind auch Dienstleistungen betroffen, teilte der DIHK mit und senkte seine Prognose für das Wachstum des deutschen Exports in diesem Jahr auf nur noch ein Prozent. Im Herbst 2018 hatte der DIHK noch ein Plus von 2,5 Prozent beim deutschen Export für 2019 prognostiziert. 

Maschinen- und Autohersteller besonders betroffen

Auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) senkte seine Erwartungen für die kommenden Monate. Im Mai seien die Auftragseingänge um sieben Prozent gesunken, teilte der Branchenverband mit. Die Bestellungen aus dem Ausland seien um neun Prozent gesunken, die aus dem Inland um ein Prozent. Auch hier ist der andauernde Handelskonflikt zwischen den USA und China ein wesentlicher Faktor. Zudem würden sich verunsicherte Kunden mit neuen Bestellungen zurückhalten, so der Verband. 

Auch eine Unternehmensumfrage der Beratungsgesellschaft PwC ergab, dass mittlerweile 40 Prozent der befragten Maschinenbauer ein Nachlassen der globalen Wirtschaftsdynamik erwarten. Vor einem Jahr waren es nur 16 Prozent. Für die Gesamtbranche erwarten die befragten Unternehmenslenker erstmals seit drei Jahren sogar einen leichten Rückgang von 0,5 Prozent in den nächsten zwölf Monaten. "Lediglich jeder zweite Betrieb ist noch voll ausgelastet", sagte Klaus-Peter Gushurst von PwC. Zum Vergleich: Vor sechs Monaten lag der Anteil der voll ausgelasteten Betriebe noch bei knapp 70 Prozent.

Anders sieht es dagegen im Einzelhandel aus. Hier teilte das Statistische Bundesamt ein Umsatzplus für die Branche mit. In den fünf Monaten von Januar bis Mai setzte der Einzelhandel hierzulande real 2,8 Prozent und nominal 3,5 Prozent mehr um als im Vorjahreszeitraum. Der private Konsum gilt momentan in Zeiten einer nachlassenden Nachfrage auf dem Weltmarkt als Stütze der deutschen Konjunktur. Viele Menschen in Deutschland profitieren noch immer von der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt und steigenden Einkommen durch gute Tarifabschlüsse. Die einbrechenden Exporte schlagen derzeit noch nicht auf den Binnenmarkt durch. Daher können die Händler nach der jüngsten Prognose des Handelsverbandes HDE in diesem Jahr mit einem Umsatzzuwachs von zwei Prozent auf knapp über 537 Milliarden Euro rechnen.