"Der Goldpreis ist weiter im Aufwind", urteilte das Bankhaus HSBC Trinkaus. In den kommenden Tagen dürfte er das Rekordhoch ins Visier nehmen. Am Dienstag kletterte der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls bis auf 1007,10 Dollar. Damit hat sich der Goldpreis seit Ende August um gut 45 Dollar erhöht.

"Die Situation am Goldmarkt bleibt spannend", sagte Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank. Für den jüngsten Anstieg gebe es zahlreiche Gründe. So wirke die 1000-Dollar-Marke für viele Anleger "wie ein Magnet". Darüber hinaus neige der Dollar zur Schwäche. Dies treibe den Goldpreis generell stark an. Zudem würden am Markt auch Befürchtungen laut, dass die Inflation in den kommenden Jahren steigen könnte, weil die Notenbanken vor dem Hintergrund der Krise nicht mehr so streng und stark auf Inflationsgefahren reagieren könnten. Auch die nach wie vor enorme Liquidität im Markt dürfte die Preise beflügeln.

Weinberg hält den starken Preisanstieg dennoch nicht für gerechtfertigt. Dieser sei verfrüht, weil es an der physischen Nachfrage fehle. Zur Vorsicht mahnten auch die Daten zur Positionierung der Großanleger. Die Commerzbank hält den jüngsten Preisschub deshalb nicht für nachhaltig und rechnet mit einer Korrektur - auch wenn sich der Goldpreis zunächst auf dem erreichten Niveau halten könnte. Wie stark der Rückgang tatsächlich ausfalle, hänge vom Dollar-Wechselkurs ab. Neige der Dollar weiter zur Schwäche, könnte der Preisrückgang bei Gold gering ausfallen. Der Euro kletterte jüngst  über die Marke von 1,44 Dollar.

"Im vierten Quartal dürfte die Nachfrage nach Gold anziehen", sagte Weinberg. Bereits im September stehen im wichtigen Käuferland Indien Feiertage an, die traditionell auch mit Goldgeschenken begangen werden. Im bisherigen Jahresverlauf seien die Importe Indiens allerdings gering gewesen. Die Inder seien bei Goldkäufen preisbewusst. Darüber hinaus dämpfe auch die Krise die Nachfrage.