Die neuen Aktionäre von Kabel Deutschland konnten sich nach den ersten Handelsminuten zunächst über einen kleinen Zeichnungsgewinn freuen: Mit 22,50 Euro startete die Kabel-Deutschland-Aktie 2,3 Prozent über dem Ausgabepreis von 22 Euro in den Handel. Vorstandschef Adrian von Hammerstein zeigte sich zufrieden. "Dies ist ein gutes Zeichen für den IPO-Markt." Danach bröckelte das Papier aber zeitweise auf 22,13 Euro ab.

Mit dem Börsengang von Kabel Deutschland macht vor allem der Eigentümer Providence Kasse. Der US-Finanzinvestor, vor sieben Jahren beim größten deutschen Kabelnetzbetreiber eingestiegen, nahm mit dem Verkauf von 34,5 Millionen Aktien 759 Millionen Euro ein. Ihm gehören nun noch 61,7 Prozent der Aktien.

Begleitet worden war der Börsengang von der Deutschen Bank, Morgan Stanley, JPMorgan und UBS. Ein Verkauf von Kabel Deutschland an andere Private-Equity-Unternehmen war an den Preisvorstellungen von Providence gescheitert. Die Nummer zwei in Deutschland, Unitymedia, war im November an den US-Medienkonzern Liberty Global gegangen.

Obwohl KDG selbst bei dem Börsengang leer ausgeht, will von Hammerstein auf Expansionskurs gehen: Vor allem auf der "letzten Meile" in die einzelnen Haushalte gebe es interessante Konsolidierungsmöglichkeiten. "Die werden wir uns anschauen."

Viele Unternehmen, die mit der Börse geliebäugelt hatten, mussten ihre Pläne in der Finanzkrise stoppen oder waren – wie die Deutsche Bahn oder Hochtief Concessions – kurz vor der Erstnotiz gescheitert. Nun hoffen Experten, dass nach KDG weiteren Aspiranten der Gang an die Börse leichter fällt. Philipp Meier-Scherling, bei der Deutschen Bank für die Neuausgabe von Aktien zuständig, sagte zum Börsengang von KGD: "Das war eine mutige Entscheidung. Sie zeigt, dass der Markt gute Unternehmen sehen will und bereit ist, diese zu unterstützen."

Die Hamburger Modekette Tom Tailor (am 26. März), der Chemikalienhändler Brenntag (am 29. März) sowie der chinesische Armaturenhersteller Joyou stehen bereit und wollen noch vor Ostern auf den Kurszetteln auftauchen.

Joyou kündigte seinen Börsengang am Montag für den 30. März an, von kommendem Dienstag bis Freitag können die Aktionäre bis zu 8,05 Millionen Aktien zeichnen. An Joyou ist der US-Finanzinvestor TPG mit zehn Prozent beteiligt, dem auch der Konkurrent Grohe gehört. Joyou kooperiert mit Grohe.

Die Chinesen wollen mit den aus dem Börsengang erwarteten mehr als 100 Millionen Euro einen Hersteller von Sanitärprodukten aus Keramik kaufen und die eigene Produktion ausbauen. Zudem soll das Netz von gut 2500 eigenen Läden in China um 1000 Geschäfte erweitert werden. In China erwirtschaftet Joyou 80 Prozent seines Umsatzes.