Die Deutsche Börse und die US-amerikanische Börse Nyse Euronext schließen sich zum weltgrößten Börsenanbieter zusammen. Das gab ein Sprecher der Nyse am Dienstag in New York bekannt. Die Deutsche Börse wird bei der Fusion die Rolle des Seniorpartners übernehmen. Mit dem Zusammenschluss erhoffen sich die Börenanbieter Einsparungen in Höhe von 300 Millionen Euro.

Die Aktionäre der nach Börsenwert gewichtigeren Frankfurter werden wie erwartet 60 Prozent am neuen gemeinsamen Unternehmen halten, das seinen rechtlichen Sitz in den Niederlanden findet. Die deutsche Seite bekommt auch 10 der 17 Posten im Verwaltungsrat. Dafür stellen die New Yorker mit Duncan Niederauer den ersten Konzernchef. Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni wird wie geplant Vorsitzender des Verwaltungsrats. Die Aktionäre der deutschen Seite könnten ihre Papiere eins zu eins gegen Papiere der neuen Gesellschaft tauschen, erklärte der Konzern, für die Anteilseigner der US-Börse gelte ein Verhältnis von eins zu 0,47.

"Diese Transaktion bringt zwei der am meisten respektierten und erfolgreichsten Börsenbetreiber der Welt zusammen", sagte Francioni am Dienstag. Mit der neu aufgestellten vergrößerten Börse könne man "die globalen Kapitalmärkte künftig anführen und in puncto Wachstum, Qualität und Marktabdeckung neue Maßstäbe setzen".

In Erwartung einer Entscheidung hatte der Aktienkurs der Deutschen Börse seit dem Mittag eine unruhige Berg- und Talfahrt hingelegt. Nach der Verkündung der Fusion schnellte der Kurs zwar in die Höhe, um wenig später aber wieder unter das Vortages-Niveau zu fallen. Die Aktien von Nyse Euronext reagierten in New York genau umgekehrt. Sie stürzten nach der Mitteilung rasant ab und holten dann wieder etwas auf – blieben zunächst aber auch unter dem Schlusswert vom Vortag.

Die beiden Börsenbetreiber hatten in der vergangenen Woche ihre Fusionsgespräche öffentlich gemacht und dabei auch bereits Eckpfeiler des Zusammengehens festgelegt. Als Streitpunkt erwies sich bis zuletzt die Frage des Namens. Vor allem Politiker in den USA pochten auf eine Betonung von New York als Symbol des amerikanischen Kapitalismus. Die einzelnen Handelsplätze sollen nun ihre Bezeichnungen behalten, auch die Zentralen in Frankfurt und New York bleiben. Arbeitstitel für die Dachgesellschaft ist "The Premier Global Exchange Group", wie es aus der Deutschen Börse hieß.

Bis Ende diesen Jahres soll die Fusion abgeschlossen sein. Allerdings müssen noch Aktionäre sowie Aufsichtsbehörden in beiden Ländern dem Vorhaben ihren Segen geben. Die hessische Börsenaufsicht hat bereits eine genaue Prüfung angekündigt. Möglich wäre auch, dass eine konkurrierende Börse ein Gegenangebot vorlegt. Am Montag hatten Gerüchte über eine mögliche Offerte der Chicagoer CME Group die Runde gemacht.

Schon vor einigen Tagen war über eine bevorstehende Fusion der beiden Börsenbetreiber spekuliert worden. In der Vergangenheit war die Deutsche Börse in Sachen Expansion aber eher glücklos gewesen. So war 2008 der erste Fusions-Anlauf der beiden Börsenbetreiber zunächst gescheitert. Zudem war der Versuch der Deutschen Börse die Warschauer Börse zu übernehmen fehlgeschlagen.