Die britische Großbank Barclays soll den deutschen Fiskus über Aktiengeschäfte jahrelang um hohe Millionenbeträge geprellt haben. Die Süddeutsche Zeitung schreibt unter Berufung auf ein bislang nicht öffentliches Schreiben des Finanzministeriums an die Obersten Finanzbehörden der Bundesländer, es gehe dabei um Summen von bis zu 280 Millionen Euro jährlich. In dem Schreiben fordert das Finanzministerium, die Länder sollten prüfen, ob ein "hinreichender Anfangsverdacht für Steuerhinterziehung" bestehe.

Neben Barclays sollen weitere internationale Großbanken sowie namhafte Banken und Investmentfonds aus Deutschland an den Aktiengeschäften beteiligt gewesen, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Da Barclays nur einer von vielen Akteuren sei, ist zu vermuten, "dass der Gesamtschaden jährlich im Milliardenbereich liegen dürfte", schreibt das Finanzministerium in dem Schreiben.

Bisher soll es keine staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Bankmitarbeiter geben. Derzeit untersuchten die Finanzbehörden in einem Prüfverfahren, ob das Kreditinstitut mögliche Schäden erstatten müsse. Es gehe bei den Geschäften um Leerverkäufe und andere Transaktionen kurz vor und nach der Auszahlung der Dividenden. Durch die schnelle und komplizierte Abfolge der Aktiengeschäfte sei erreicht worden, dass die Finanzämter der Bank mehr Steuer erstatteten, als diese zuvor gezahlt habe.

Ein Barclays-Sprecher erklärte, die Bank habe bei den Aktiengeschäften einen "offenen und transparenten Austauschen mit den jeweilig zuständigen Steuerbehörden gepflegt". Die Bank habe stets in Einklang mit der Gesetzgebung gehandelt. Sämtliche Andeutungen von Fehlverhalten weise Barclays entschieden zurück.