Der chinesische Onlinehändler Alibaba hat ein fulminantes Börsendebüt hingelegt. Die Papiere wurden zu einem ersten Kurs von 92,70 Dollar gehandelt. Die Aktien waren zu 68 Dollar ausgegeben worden. Experten hatten im Vorfeld zwar mit einem Kurssprung gerechnet – allerdings nicht in dieser Dimension. Sie hatten 15 statt der nun erzielten 36 Prozent prognostiziert. Das Volumen des Börsengangs belief sich auf 25 Milliarden Dollar. Den bisherigen Rekord hielt die chinesische AGBank mit 22,1 Milliarden Dollar im Jahr 2010.

Alibaba-Gründer Jack Ma ließ seiner Kundschaft beim Börsendebüt des Unternehmens den Vortritt: Statt selbst die Eröffnungsglocke der New Yorker Börse zu betätigen, durften acht Alibaba-Kunden den Handel an der Wall Street einläuten.


Die New York Stock Exchange hatte sich mit drei Testläufen auf den Börsenstart vorbereitet, um technische Pannen wie an der Technologiebörse Nasdaq beim Börsenstart von Facebook im Jahr 2012 zu vermeiden. Das soziale Netzwerk hatte 16 Milliarden Dollar bei seinem Börsenstart eingenommen.

Alibaba ist beim tatsächlichen Handelsvolumen nach eigenen Angaben größer als Amazon oder eBay. Zu den großen Handelsplätzen des Konzerns gehören die Plattformen Taobao, Tmall und Juhuasuan. 231 Millionen Käufer und acht Millionen Verkäufer wickelten hier im vergangenen Jahr Geschäfte über 248 Milliarden Dollar ab.

Trotz seiner Größe wird Alibaba an der Wall Street jedoch ein Exot sein. Außerhalb Chinas war der Konzern bislang vergleichsweise unbekannt. Die Konzernstruktur mit etlichen Beteiligungsverzweigungen und verstrickten Eigentumsverhältnissen ist für Außenstehende nur schwer zu durchblicken. Außerdem kritisieren Analysten die Machtballung im engen Führungszirkel um Gründer Ma.

Chinesen wurden mit Sondersendungen auf Börsengang eingestimmt

Trotzdem war die Nachfrage der Investoren nach den Aktien bereits im Vorfeld des Börsengangs so riesig, dass der Konzern das obere Ende der Preisspanne für seine Anteilsscheine am Dienstag von 66 auf 68 Dollar erhöht hatte. Auf einen Milliardengewinn dürfen sich nun die größten Alibaba-Anteilseigner freuen. Die japanische Softbank hält 34,1 Prozent und das US-Internet-Urgestein Yahoo 22,4 Prozent.

Mit Sondersendungen im Fernsehen und Sonderausgaben von Zeitungen wurden Millionen Chinesen auf den Börsengang eingestimmt. Stunden vor dem erwarteten Aktiendebüt in New York verfolgten knapp 23 Millionen Nutzer Diskussionen um Chancen und Risiken von Alibaba auf Chinas größtem Mikroblog Sina Weibo. Gleichzeitig gab es jedoch auch Kritik. Wegen der strengen Kapitalverkehrskontrollen ist es den meisten Chinesen nicht möglich, Aktien im Ausland zu kaufen.

Auch Alibaba versuchte, seine Angestellten auf das Megaereignis einzustimmen. Im Internet verbreiteten Mitarbeiter der Firma Fotos von T-Shirts, die das Unternehmen an sie verteilt hatte. Auf der Vorderseite der T-Shirts steht "Man muss Träume haben." Auf der Rückseite prangert der Schriftzug: "Was ist, wenn sie wahr werden?"