Die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) wollen ihre Nullzinspolitik fortsetzen. Der Leitzins der Eurozone bleibe unverändert bei null Prozent, sagte ein Sprecher von EZB-Präsident Mario Draghi im Anschluss an eine Ratssitzung in Frankfurt. Die EZB hatte den zentralen Zinssatz, zu dem sie Banken Geld leiht, im März auf den historisch niedrigen Wert von 0,0 gesenkt, um mit günstigem Kapital Konjunktur und Inflation in der Eurozone anzukurbeln.

Auch die beiden anderen wichtigen Zinssätze beließ die EZB wie erwartet auf dem bisherigen Stand. Wollen Banken ihr Geld kurzfristig bei der EZB einlagern, statt es an Unternehmen zu verleihen, zahlen sie weiterhin einen Strafzins von 0,4 Prozent. Bei kurzfristigen Kapitalspritzen und sogenannten Übernachtkrediten werden wie bisher 0,25 Prozent Zinsen fällig.

Inflation steigt auf höchsten Stand seit 2014

Zudem sollen die monatlichen Wertpapierkäufe von 80 Milliarden Euro bis Ende März 2017 oder nötigenfalls darüber hinaus fortgesetzt werden. Damit will sie die Konjunktur ankurbeln und die Inflation im Euroraum anschieben. Letztere war zwar im gemeinsamen Währungsraum im September auf den höchsten Stand seit Oktober 2014 gestiegen. Die Rate ist mit 0,4 Prozent aber immer noch entfernt von dem Preisziel der EZB von knapp zwei Prozent.

Langfristig niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten Investitionen aufschieben, weil sie erwarten, dass es noch billiger wird.

Die meisten Ökonomen hatten nicht damit gerechnet, dass die Notenbank bei ihrer Sitzung weitreichende Entscheidungen trifft. "Die Konjunkturentwicklung seit September versetzt die EZB nicht in Eile, zusätzlich geldpolitische Maßnahmen zu präsentieren", argumentiert Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING-DiBa-Bank.

Beobachter erwarten indes Hinweise über das weitere Vorgehen der EZB bei ihrem milliardenschweren Anleihenkaufprogramm. So könnten die Währungshüter bei der Dezembersitzung das Programm über März 2017 hinaus verlängern und die selbstgesetzten Bedingungen zum Erwerb der Anleihen lockern, weil einige Papiere allmählich knapp werden. Im Dezember legt die Notenbank auch aktuelle Konjunktur- und Inflationsprognosen vor.

Zuletzt hatten Spekulationen auf ein absehbares Ende der Geldschwemme für Unruhe gesorgt. Bankvolkswirte sind aber überwiegend der Meinung, dass sich Überlegungen über ein schrittweises Auslaufen der Wertpapierkäufe (Tapering) – sollte es sie in der EZB geben – auf einen fern liegenden Zeitpunkt beziehen.

Ein schrittweises Auslaufen der Wertpapierkäufe sei zwar grundsätzlich unabdingbar, um Schocks an den Finanzmärkten zu vermeiden. "Allerdings sind diese Ausstiegsszenarien Gedankenspiele für die weitere Zukunft", erläutern Volkswirte der BayernLB. Die ultralockere Geldpolitik der EZB ist vor allem in Deutschland umstritten. Sie belastet Sparer. Kritiker befürchten zudem eine sinkende Reformbereitschaft der Politik.