An der Wall Street ist es zum Wochenstart hektisch geworden: Der US-Leitindex Dow Jones sackte am Montag zeitweise um knapp 1.600 Zähler ab und damit um so viele Punkte wie nie zuvor an einem einzelnen Handelstag. Damit rutschte der Index wieder unter die Marke von 24.000 Punkten. 

Zu spüren war dieser Kurssturz auch am deutschen Aktienmarkt: Der Dax fiel am Dienstagmorgen kurzzeitig um bis zu 3,6 Prozent auf 12.235 Punkte – das größte Minus seit eineinhalb Jahren. Höhere Verluste blieben aber aus, am Mittag betrug das Minus noch rund 1,7 Prozent.

Auch in Asien brachen die Kurse ein. Der japanische Nikkei-Index reagierte zum Handelsauftakt mit einem Abschlag von 914,28 Punkten oder 4,03 Prozent beim Stand von 21.767,80 Punkten. Der MSCI-Index für die asiatischen Märkte ohne Japan brach um 2,8 Prozent ein und erreichte den niedrigsten Stand seit einem Monat.

Der Volatilitätsindex VIX, der Schwankungen am Markt misst, ging um knapp 100 Prozent nach oben. Das letzte Mal, als der VIX ähnlich stark anstieg, hatten Sorgen um die chinesische Wirtschaft für einen Ausverkauf an den Börsen gesorgt. Ein Sprecher von US-Präsident Donald Trump teilte in einer schriftlichen Erklärung an den Sender CNBC mit, trotz der "kurzfristigen Fluktuationen" an den Finanzmärkten entwickle sich die US-Wirtschaft "sehr solide" und "in die richtige Richtung".

Sorge vor steigender Inflation

Neben einer möglicherweise bevorstehenden Erhöhung der Leitzinsen sahen Experten auch die Entwicklung der US-Staatsanleihen und den automatisierten Handel als Gründe für den Absturz. Die US-Notenbank Fed könnte die Leitzinsen in diesem Jahr vier Mal erhöhen statt drei Mal wie bislang signalisiert. Grund dafür ist die gute wirtschaftliche Entwicklung in den USA. Im Januar stiegen die Löhne so stark wie zuletzt Mitte 2009. Damit einher geht aber auch die Sorge vor einer steigenden Inflationsrate.

Der massive Kurseinbruch an der Wall Street hat auch die asiatische Leitbörse in Tokio beeinflusst: Der Nikkei-Index reagierte darauf zum Handelsauftakt mit einem Abschlag von 914,28 Punkten oder 4,03 Prozent beim Stand von 21 767,80 Punkten. Der breit gefasste Topix verlor 73,81 Punkte oder 4,05 Prozent beim Stand von 1749,93 Punkten.

Ein Investmentexperte des Geldhauses Charles Schwab sagte, er habe nichts Fundamentales gesehen, was als Auslöser hätte herhalten können. Es scheine eher ein computergetriebener Handel gewesen zu sein, der das Ungleichgewicht ausgelöst habe.

Dow Jones erholt sich am Dienstag

Andere Beobachter sprachen von Panik unter den Anlegern, die ihre Aktien verkauften. Dadurch seien zahlreiche Stop-Orders massiv beschleunigt worden. Eine Stop-Order ist der Auftrag, eine Aktie zu kaufen oder verkaufen, wenn ein bestimmter Kurs unterschritten wird. Anleger schützen sich damit vor zu großen Verlusten. Ein Marktbeobachter von Feingold Research bewertet den Fall des Dow als " schwärzesten Tag für die Aktienmärkte seit Jahren".

Am Dienstag erholten sich der Dow von den Verlusten. Der Index schloss mit einem Plus von 2,3 Prozent auf 24.912 Punkten. Auch die restlichen US-Indizes schlossen fester. Der Chef der Börsenaufsicht SEC, Jay Clayton, räumte ein, er kenne dem Grund für den Absturz am Montag nicht. Alles deute aber darauf hin, dass die Finanzmärkte normal funktionierten. Finanzminister Steven Mnuchin erklärte, die Schwankungen seien nicht groß genug, um den Markt in seinen Fundamenten zu erschüttern.