Nach der Niederlage von Argentiniens Staatschef Mauricio Macri bei der Präsidentschaftsvorwahl hat die Währung des Landes deutlich an Wert verloren. Der Merval-Index in Buenos Aires stürzte zu Wochenbeginn um 30 Prozent ab. Gegenüber dem US-Dollar verlor der argentinische Peso knapp ein Viertel seines Werts und fiel auf ein Rekordtief von knapp 62 Peso je Dollar. Die Preise für Ausfallversicherungen auf argentinische Staatsanleihen stiegen an.

Als Ursache für den Währungsverfall gilt die Aussicht auf eine neue Präsidentschaft. Die Vorwahl vom Sonntag hatte der Oppositionskandidat Alberto Fernández, der frühere Kabinettschef der ehemaligen Präsidentin Cristina Kirchner, gewonnen. Der linksgerichtete Herausforderer kam auf 47,3 Prozent. Der konservative Regierungschef, der als wirtschaftsliberal gilt, kam nur auf 32,2 Prozent der Stimmen.

Die Vorwahlen sind eine argentinische Besonderheit. Dabei wird entschieden, wer als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl am 27. Oktober zugelassen wird. Zu der Vorwahl sind bereits alle Bürger, nicht nur Parteimitglieder, stimmberechtigt. Die Wahlen gelten daher als Stimmungstest für die eigentliche Präsidentschaftswahl. Falls sich die Ergebnisse der Vorwahlen wiederholen sollten, würde Fernández bei der Wahl gleich in der ersten Runde gewinnen.

Investoren sehen Oppositionskandidat kritisch

Fernández wird dem peronistischen Mitte-links-Lager zugeordnet. Investoren beurteilen ihn kritischer als Macri, weil er sich in der Vergangenheit für Eingriffe der Politik in die Wirtschaft ausgesprochen hat. Gemeinsam mit ihm tritt Kirchner an, die sich um das Amt der Vizepräsidentin bewirbt. Ihr Verhältnis zu ausländischen Investoren gilt als angespannt. In ihre Amtszeit fällt außerdem der Kampf gegen Anleihebesitzer, die sich nicht an staatlichen Umschuldungen beteiligen wollten. Zudem wird mit Kirchners Präsidentschaft der wirtschaftliche Niedergang des Landes in Verbindung gebracht.

Argentinien befindet sich bereits seit vergangenem Jahr in einer Rezession. Die Inflation lag in den vergangenen zwölf Monaten bei 40 Prozent, die Arbeitslosenquote beträgt etwa zehn Prozent. Auch Kirchners liberalem Nachfolger Macri ist es bisher nicht gelungen, das Land aus der Wirtschaftskrise zu führen.

Im vergangenen Jahr hatte die argentinische Währung durch zwei Währungskrisen 50 Prozent ihres Wertes verloren. Die Regierung in Buenos Aires beantragte daher beim Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Darlehen in Höhe von mehr als 57 Milliarden Dollar (50,87 Milliarden Euro).

In seiner Frühjahrsprognose für das weltweite Wirtschaftswachstum sagte der IWF für Argentinien ein Schrumpfen der Wirtschaft im laufenden Jahr um 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts voraus. Nach einer Erholung im Laufe des zweiten Halbjahrs 2019 rechnet der IWF für 2020 dann mit einem Wachstum von 2,2 Prozent.