In die Kontroverse um Börsenspekulationen mit der GameStop-Aktie hat sich der Generalstaatsanwalt von Texas eingeschaltet. Ken Paxton verlangte in 13 Fällen Auskunft von Brokern wie Robinhood und Citadel, die den Aktienhandel und Investitionen ausgesetzt hatten. Die Wall Street habe nicht das Recht, den öffentlichen Zugang zum Aktienmarkt zu begrenzen, hieß es in einer Mitteilung seines Büros. Die Auskunftsersuchen gingen demnach unter anderem auch an Discord, TD Ameritrade, M1 Holdings und Webull Financial.

Paxton sprach von Anzeichen für eine Absprache zwischen Hedgefonds und anderen Parteien, etwa Handelsplattformen und Webservern. Die Investoren wollten so eine Bedrohung ihrer Marktdominanz durch die teils organisierten Kleinleger abwehren. "Es stinkt nach Korruption", sagte Paxton.

Auch New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James hatte angekündigt, in dem Fall ermitteln zu wollen. Beide Kammern des Kongresses kündigten Anhörungen zu den Vorgängen an.

Aktien von GameStop und AMC wieder massiv gestiegen

Im Fall der GameStop-Aktien duellieren sich professionelle Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt haben, mit Kleinanlegern insbesondere aus Internetforen wie Reddit, die den Preis gemeinsam hochtreiben. Der GameStop-Kurs stieg in den vergangenen zwei Wochen um rund 2.000 Prozent, auch andere Aktien wiesen außergewöhnliche hohe Ausschläge auf. Hedgefonds waren so zur Auflösung ihrer Wetten auf den Kursverfall dieser Papiere gezwungen. Dies trieb einige Fonds an den Rand des Ruins.

Onlinebroker wie Robinhood stellten daraufhin den Handel mit diesen Papieren ein – nahmen diese Restriktionen nach massiver Kritik aus der Politik aber wieder zurück. Die Folge: Nach einem Rekordtagesverlust von 44 Prozent schossen die Titel des US-Videospielehändlers am Freitag im vorbörslichen Handel wieder um rund 100 Prozent in die Höhe. Die ebenfalls stark im Fokus der Spekulationen stehende Kinokette AMC verzeichnet ein Plus von 54 Prozent.

Die US-Wertpapieraufsicht SEC erklärte, sie beobachte die Vorgänge genau und werde die Sicherheit der Anleger sowie "faire, ordentliche und sichere Märkte" sicherstellen. Die Behörde richtete ein Onlineformular ein und forderte betroffene Anleger zudem auf, sich per E-Mail oder Telefonhotline an die SEC zu wenden. Dem Finanzsender CNBC zufolge waren am Freitagnachmittag bereits 4.000 Beschwerden eingegangen.

Anleger, die via Robinhood gehandelt hatten, starteten derweil über eine spezielle App eine Sammelklage. 26.000 von ihnen sollen sich der bereits angeschlossen haben.

"Rachefeldzug gegen die großen, bösen Hedgefonds"

Bei den Kleinanlegern handelt es sich nach Einschätzung von Experten vor allem um junge, bislang weitgehend unerfahrene Händler. "Sie haben teilweise auch in der Finanzkrise 2008 miterlebt, wie ihre Eltern Häuser verloren haben, weil sie ihre Mieten nicht mehr bezahlen konnten, sehen das jetzt so ein bisschen als persönlichen Rachefeldzug gegen die großen, bösen Hedgefonds, die sie auch dafür verantwortlich machen, was 2008 passiert ist", sagte Raphael Kahle, IT-Chef beim Frankfurter Neobroker Justtrade der Nachrichtenagentur Reuters.

In Deutschland hieß es von Seiten der Bafin, die Behörde beobachte den Markt und verschaffe sich gerade ein Bild darüber, welche Marktmissbrauchskonstellationen grundsätzlich infrage kommen könnten. In den vergangenen Tagen habe es eine Vielzahl von Beschwerden von Privatanlegern zu technischen Störungen bei Trade Republic gegeben. Der Onlinebroker sei "mit Nachdruck" darauf hingewiesen worden, die Anforderungen einzuhalten und Kunden sämtliche Dienstleistungen störungsfrei zur Verfügung zu stellen. Am Donnerstag waren die Systeme des Berliner Brokers wegen des hohen Handelsaufkommens zeitweise überlastet. 

Aus den Reihen der Opposition im Bundestag kommt vor allem empörte Kritik an den mutmaßlichen illegitimen Mechanismen von Wall Street und Hedgefonds. "Handelsplattformen müssen offen für alle Marktteilnehmer sein", sagte etwa der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar zu Reuters. "Es kann nicht sein, dass eine Vielzahl von Kleinanlegern in einer volatilen Phase vom Handel ausgeschlossen werden und große Hedgefunds haben weiter Marktzugang." Fabio De Masi von den Linken sprach von einem Skandal: "Wenn Broker den Handel zum Schutz von institutionellen Anlegern aussetzen, zeigt dies, wie empfindlich Finanzhaie reagieren, wenn ihnen ein Schwarm einen Strich durch die Rechnung macht. Hier muss die Börsenaufsicht einschreiten."