Jetzt haben wir es sogar schriftlich: Wir haben von Geld keine Ahnung, das belegt eine Untersuchung der Commerzbank zur finanziellen Allgemeinbildung in Deutschland. Die wenigsten wissen, was ihnen droht, wenn sie ihre Kreditkarte verlieren. Mehr als jeder zweite Berufstätige schätzt seine spätere gesetzliche Rente zu hoch ein. Und zwei von drei Deutschen können nicht erklären, was die Beitragsbemessungsgrenze ist.Die Diagnose der Commerzbank ist richtig: Eine Gesellschaft, in der private Altersvorsorge immer wichtiger wird, kann sich finanzielle Dummheit nicht leisten. Dabei ist es doch offensichtlich, was alles auf uns zukommt. Deutschland überaltert, immer weniger Berufstätige müssen mit ihren Beiträgen immer mehr Rentner unterstützen. Dieses Geld wird allerdings nicht ausreichen, um allen den erhofften Lebensstandard im Alter zu garantieren. Wer auch später noch gut leben will, muss sich selber absichern. Aber wie?Stellen wir der Commerzbank die Gegenfrage: Was wäre gewonnen, wenn wir wüssten, dass uns bei der verlorenen Kreditkarte höchstens ein Schaden von 50 Euro entstehen kann? Wenig. Wäre unsere Altersvorsorge allein dadurch gesichert, wenn wir erklären könnten, dass die Beitragsbemessungsgrenze den Betrag des Bruttoeinkommens bezeichnet, bis zu dem Beiträge für die Sozialversicherung berechnet werden? Nein!Finanzielle Allgemeinbildung bedeutet nicht bloß, Details von Finanzprodukten auswendig zu lernen, um solche Fragen zu beantworten. Die Vereinigten Staaten zeigen, dass genau dieser Weg in eine Sackgasse führt. Dort gibt es die gleiche Debatte bereits seit Jahren. Konsequenterweise mangelt es auch nicht an zahlreichen Initiativen und Kampagnen, die Erwachsenen, Jugendlichen und sogar Kindern eben diese Finanzprodukte erklären. Ihre Erfolge im Kampf gegen finanzielle Dummheit sind allerdings gering: Amerikaner sparen immer weniger Geld für ihr Alter, obwohl die staatliche Absicherung dort deutlich niedriger ist als hierzulande. Statt dessen konsumieren viele von ihnen, als würde es kein Morgen geben. Ein durchschnittlicher US-Haushalt ist heute schon mit mehr als einem Jahres-Nettoeinkommen verschuldet.Warum ist das so? Weil finanzielle Allgemeinbildung eben mehr ist als reines Faktenwissen. Natürlich muss man wissen, wie das gesetzliche Rentensystem funktioniert und was Aktien, Fonds und Lebensversicherungen sind. Aber das allein reicht nicht. Wir müssen auch lernen, uns nicht immer wieder selbst zu überschätzen. Im Börsenrausch der neunziger Jahre dachten wir alle, wir wären Finanzprofis. Verhaltensökonomen haben aber längst bewiesen, dass wir Gewinne am Aktienmarkt schnell auf unsere eigenen Fähigkeiten zurückführen, während an Verlusten immer jemand anderes schuld ist. Die Folge: Beim nächsten Boom werden viele von uns den gleichen Fehler wieder machen. Und wieder sehr viel Geld verlieren.Ein gesundes Misstrauen gegenüber Hilfswilligen ist schließlich die wichtigste Voraussetzung für finanzielle Allgemeinbildung. Nur dann können wir die richtigen Fragen stellen, wenn wir das nächste Mal mit dem Berater einer Bank, einer Versicherung oder einer Bausparkasse zusammensitzen und über unsere Zukunft reden. Wir müssen uns nämlich bewusst sein, dass jeder Finanzberater an uns verdienen will – aber kaum einer will uns helfen. Auch das hat die Commerzbank in ihrer Studie herausgefunden: In Sachen Geld sind Banken und Sparkassen heute schon der „Wissensvermittler Nummer Eins“. Man darf sich also nicht wundern, dass es um unsere finanzielle Bildung so schlecht steht.