ZEIT ONLINE: Herr Woertz, Dubai World, die staatliche Investmentgesellschaft des Emirats Dubai, hat ihre Gläubiger um Aufschub aller bis einschließlich Mai 2010 fälligen Zahlungen gebeten. Um wie viel Geld geht es genau?

Eckart Woertz: Am drängendsten ist eine Anleihe über 3,5 Milliarden Dollar, die Mitte Dezember durch die Dubai-World-Tochter Nakheel zurückgezahlt werden müsste. Hinzu kommen weitere, später fällige Bonds. Allein im Lauf der kommenden drei Jahre müssen Nakheel und Dubai World Schulden in Höhe von rund 22 Milliarden Dollar begleichen. Das bedeutet: Selbst wenn die Unternehmen die jetzt auslaufende Anleihe bedienen könnten, wäre das Problem damit nicht aus der Welt.

ZEIT ONLINE: Im Boom machte Dubai durch spektakuläre Bauprojekte Furore. Kein Projekt schien zu kühn, nichts zu teuer. Wie kann es sein, dass plötzlich kein Geld mehr da ist?

Woertz: In Dubai geschah prinzipiell das Gleiche wie auf dem privaten Immobilienmarkt der USA. Man steckte viel geborgtes Geld in Gebäude, deren Preise in astronomische Höhen stiegen. Jetzt ist die Blase geplatzt, und es gibt keine Käufer mehr. Damit ist das ganze Geschäftsmodell von Nakheel – investieren, bauen und verkaufen – hinfällig geworden. Das Unternehmen nimmt nichts mehr ein. Es vermietet seine Objekte ja nicht. Nakheel hat schon viel in seine Projekte investiert, aber um sie verkaufen zu können, müsste das Unternehmen sie fertigstellen, und dazu wären erneut große Summen nötig. Dazu fehlt im Moment das Geld, und Käufer wären sowieso rar. Möglicherweise werden einige Projekte wie die Palminseln zwei und drei oder Dubailand Investitionsruinen bleiben.

ZEIT ONLINE: Dann wird Nakheel seine Schulden auch künftig nicht zurückzahlen können.

Woertz: Entweder steht, wie schon in der Vergangenheit, der reiche Nachbar Abu Dhabi gerade. Oder es sieht schlecht aus für die Gläubiger von Nakheel.

ZEIT ONLINE: Wie steht es um die Mutterfirma von Nakheel, Dubai World?

Woertz: Dubai World ist ein Firmenkonglomerat, das unter anderem mit Logistikdiensten Geld verdient, zum Beispiel mit dem Betrieb von Häfen. In dem Geschäft fließen, anders als bei Nakheel, regelmäßige Einnahmen, die allerdings von der Gesundheit der Weltwirtschaft abhängen. Dubai World hat in der Vergangenheit ebenfalls den Fehler gemacht, zu viel Geld in überteuerte Projekte zu stecken, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Das Unternehmen hat sich an Casinos in Las Vegas und Luxuskaufhäusern in New York beteiligt und das zum großen Teil durch Kredite finanziert. Diese Art von Finanzdeals funktioniert nicht mehr, deshalb muss Dubai World seine Beteiligungen verkaufen, auch wenn das nur mit Verlusten zu machen ist. Wenn das Unternehmen sich auf sein Kerngeschäft konzentriert, hat es gute Chancen.

ZEIT ONLINE: An den Finanzmärkten wettet man bereits auf Dubais Staatsbankrott. Die Börsen sind am Donnerstag weltweit eingebrochen, auch aus Angst, dass die Dubai-Krise auf andere Länder übergreifen könnte. Wie hoch schätzen sie das Risiko ein?