Am Montag brach der Goldpreis einen neuen Rekord: Auf mehr als 1.130 US-Dollar kletterte der Preis für eine Feinunze. Das sind hundert Dollar mehr als noch vor zwei Wochen. Innerhalb eines Jahres hat sich das Edelmetall sogar um rund 400 Dollar – oder 50 Prozent – verteuert. Begonnen hat der jüngste Anstieg im September, als der Preis zum ersten Mal seit Anfang 2008 die psychologisch wichtige 1000-Dollar-Marke überspringen konnte.

Vor zwei Wochen beschleunigte sich die Entwicklung. Da wurde bekannt, dass sich der Internationale Währungsfonds (IWF) von der Hälfte seiner Goldreserven trennt – das sind 200 Tonnen.  Diese Nachricht hätte den Goldmarkt eigentlich belasten müssen. Doch der IWF wirft das Gold nicht auf den Markt, sondern verkauft es an die indische Notenbank, die damit in die Gruppe der zehn Zentralbanken mit den größten Goldreserven aufsteigt. Offenbar sind die Schwellenländer selbst bei den derzeit hohen Preisen bereit, ihren Dollarreserven einen größeren Anteil Gold beizumischen.

Das ist ein Misstrauensvotum gegen Amerikas Währung. Der Wert des Dollars wird immer fragwürdiger, weil die USA immer mehr Geld drucken müssen, um ihr Budgetdefizit in Höhe von geschätzten zwei Billionen Dollar zu finanzieren. Gold hingegen kann von Regierungen oder Notenbanken nicht aus dem Nichts geschaffen werden. Seine Menge wächst nur sehr langsam. Obwohl sich der Goldpreis seit Beginn des Jahrzehnts vervierfacht hat, sind die Minenbetreiber nicht in der Lage, die Fördermenge zu erhöhen.

Der Grund: Es wird immer schwieriger, das seltene Metall zu finden. Jedes Jahr falle die weltweite Produktion um etwa eine Million Unzen, sagt Aaron Regent, Präsident von Barrick Gold, einem der größten Goldkonzerne der Welt.  In den neunziger Jahren, als der Goldpreis bis auf 250 Dollar fiel, konnten Konzerne wie Barrick nur überleben, indem sie sich auf die Ausbeutung der allerreichhaltigsten Minen konzentrierten. Viele davon sind nun erschöpft, und neue hochklassige Vorkommen werden kaum noch entdeckt. Die Produktion in Südafrika, dem ehemals weltweit größten Förderland, erreichte bereits 1970 ihren Gipfel und hat sich seither halbiert.

Eine wichtige Goldquelle waren in den vergangenen 15 Jahren die Zentralbanken. Lange Zeit verkauften sie ihr Gold, um den Erlös anschließend in Zinspapiere zu investieren. Doch Finanzkrise und Dollarschwäche lassen diese Strategie in einem immer trüberen Licht erscheinen, während die Vorzüge des Goldes immer heller glänzen. Aus den Verkäufern sind mittlerweile Käufer geworden. Vor Indien hatten bereits Russland und China ihre Goldreserven erhöht.

Auch Privatanleger zeigen zunehmend Interesse. Manche kaufen Goldmünzen wie den südafrikanischen Krügerrand, andere bevorzugen an der Börse gehandelte Wertpapiere, die den Goldpreis nachbilden. Im März 2007 wurden erstmals Gold-Exchange-Traded-Funds (ETFs) zum Handel zugelassen. Deren Anteilsscheine sind durch physisches Gold gedeckt. Seither haben solche ETFs bereits 1,800 Tonnen Gold angesammelt. Damit haben sie entscheidend zum Goldpreisanstieg beigetragen. Zusammen besitzen sie heute die fünftgrößten Goldreserven der Welt, mit einem Marktwert von etwa 70 Milliarden Dollar.

Für einen weiterhin festen Goldpreises in den nächsten Monaten spricht auch der Kalender. Die starken Anstiege fielen in den letzten acht Jahren seit Beginn des Goldpreisbooms fast immer in die Zeit zwischen Oktober und Februar – während es zwischen März und September oft heftige Rückschläge gab. Nach dem starken Anstieg der letzten Wochen ist natürlich auch jetzt eine deutliche Korrektur jederzeit möglich. Vor allem dann, wenn der Dollar seinen Abwärtstrend unterbrechen und wieder an Wert gewinnen sollte. Langfristig ist aber ein noch weitaus höherer Goldpreis denkbar. Den Regierungen und Notenbanken sei dank.